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Merken   Drucken   22.08.2007, 17:59 Schriftgröße: AAA

Länder-Check Bildung: Das Land der Bildungsverlierer

Das dünn besiedelte Mecklenburg-Vorpommern schafft es nicht, seine wenigen Schüler optimal zu fördern, und belegt im Bundesländervergleich des Bildungsmonitors den letzten Platz. von Marion Schmidt
Viel hat Mecklenburg-Vorpommern nicht zu bieten, doch immerhin der Tourismus floriert. Und so vermarktet das Bildungsministerium den Hochschulstandort als touristisches Highlight: In einer Anzeigenkampagne wird ein Studium "zwischen Strand und Audimax" beworben, als Zugabe zum Lernen gibt es "1700 Kilometer Küste" zum Entspannen. Vielleicht hilft das, junge Leute in den Norden zu locken, denn bislang machen Studienanfänger um Schwerin und Rostock eher einen großen Bogen. Nur 5,5 Prozent aller Studenten sind beispielsweise aus dem Ausland.
Das ist ein Grund, weshalb Mecklenburg-Vorpommern beim aktuellen Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Vergleich der Bundesländer den letzten Platz belegt. "Es hat von allen Bundesländern die ungünstigsten Voraussetzungen, durch Bildung mehr Wachstum zu leisten", sagt Oliver Stettes, einer der Autoren.
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Schlechtes Betreuungsverhältnis trotz schrumpfender Schülerzahlen
Obwohl das Land mehr als alle anderen betroffen ist vom demografischen Wandel, von Geburtenrückgang und Abwanderung, werden die daraus entstehenden Chancen nicht genutzt. So hat sich laut Bildungsmonitor das Betreuungsverhältnis an den Schulen weiter verschlechtert. Auf einen Lehrer an Grundschulen kommen 17,6 Schüler, an weiterführenden Schulen sind es 15,2. Im Vergleich dazu der ostdeutsche Spitzenreiter Sachsen: An den Grundschulen teilen sich 14,6 Schüler einen Lehrer, in der Sekundarstufe I sind es 11,8. Während Sachsen nach der Wende aufgrund schrumpfender Schülerzahlen nur elf Prozent der Lehrerstellen gestrichen hat, waren es in Mecklenburg-Vorpommern 36 Prozent. Das Mitte der 90er-Jahre eingeführte Lehrerpersonalkonzept, mit dem Stellen sozial verträglich reduziert werden, hat bei vielen Lehrern zu Frust geführt. 70 Prozent der Pauker arbeiten auf Zweidrittelstellen, zu Ostgehalt; darunter auch Schulleiter. Das will die Landesregierung nun ändern. Und: "Wir wollen mehr selbstständige Schulen und Lehrer über finanzielle Leistungsanreize motivieren", sagt Gabriele Brick vom Bildungsministerium.
Das scheint bitter nötig, denn im nordöstlichsten Bundesland hat "eine gewisse Lethargie in der Bevölkerung eingesetzt", sagt Hans-Günter Trepte, Bildungsexperte beim Arbeitgeberverband des Landes. "Große Unternehmen siedeln sich nicht an, die Schulabgänger sind nicht gut ausgebildet, die Lehrer nicht engagiert", sagt Trepte, "dabei müssen wir jeden, wirklich jeden qualifizieren, um wirtschaftlich zu wachsen."
Jeder vierte 15-Jährige kann nicht richtig lesen und schreiben
Bislang sind in Mecklenburg-Vorpommern die Bildungschancen so schlecht verteilt wie in keinem anderen Bundesland. Besonders sozial schwache Schüler haben es schwer, einen Schulabschluss zu machen. Jeder vierte 15-Jährige kann nicht richtig lesen und schreiben. Nur knapp acht Prozent der Berufsschüler haben Abitur, die niedrigste Quote bundesweit.
Das ist umso erstaunlicher, denn Mecklenburg-Vorpommern hat im Vergleich etwa zu Hamburg relativ kleine Klassen und obendrein kaum ausländische Kinder mit Sprachproblemen. Gabriele Brick sieht einen Zusammenhang zur wirtschaftlichen Situation: "Die Leistungsträger gehen weg, zurück bleiben die Geringerqualifizierten, die an ihre Kinder nur wenig Bildung weitergeben können." Die Wirtschaftskraft gemessen am Bruttoinlandsprodukt je Einwohner betrug im vergangenen Jahr gerade einmal 19.100 Euro. Aber auch Sachsen hat nur eine Wirtschaftskraft von 20.800 Euro pro Kopf - und schafft es trotzdem, seine Schüler zu Spitzenleistungen zu bringen. "Eine schwache Wirtschaft", sagt IW-Forscher Stettes, "kann keine Ausrede sein, sondern muss Ansporn sein."

Tops und Flops
Stärken Viele Kinder in Ganztagsbetreuung, viele Absolventen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT), bundesweit höchster Anteil an MINT-Wissenschaftlern (65 Prozent).
Schwächen Das Betreuungsverhältnis von Lehrern zu Schülern ist ungünstig, Schulleistungen sind stark abhängig von sozialer Herkunft, nur zwei Prozent aller ausländischen Kinder machen Abitur, nur wenige Berufsschüler erhalten die Chance zu studieren.
  • FTD.de, 22.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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