Berufskollegs und Wirtschaftsgymnasien führen etliche Jugendliche, die von der Hauptschule kommen, doch noch zur mittleren Reife oder zum Abitur und machen das dreigliedrige System so durchlässig.
Lediglich 6,7 Prozent der Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss, das ist der beste Wert im Länderranking, in Sachsen sind es 9,1 Prozent in Hamburg 11,5 Prozent. Auch der Anteil der Schüler, die in der Pisa-Studie als Risikogruppe bezeichnet werden, ist gering. Umso erstaunlicher, dass der Südwesten bei der Integration von Migranten relativ schlecht abschneidet. Hier liegt der Wert der Schulabbrecher mit 16,7 Prozent nah am Bundesdurchschnitt von 17,4 Prozent.
Kaum Frühförderung für Migrantenkinder
"Viele Migranten fallen durchs Raster, weil es an Frühförderung im Kindergarten fehlt", sagt Michael Gomolzig, stellvertretender Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung. Etliche Studien belegen, dass Ganztagsplätze in Kindergärten und Schulen vor allem die Leistungen von Problemschülern verbessern. Doch in Baden-Württemberg wurden im Jahr 2005, auf das sich der Bildungsmonitor bezieht, nur sieben Prozent aller Kitaplätze ganztägig angeboten - bundesweit sind es immerhin 22 Prozent. Der Anteil von Grundschülern an öffentlichen Ganztagsschulen lag 2005 bei mageren 1,9 Prozent (Bundesdurchschnitt: 9,5 Prozent). "Inzwischen ist die Regierung jedoch aufgewacht", sagt Gomolzig. Das Modellprojekt "Schulreifes Kind" fördert Kinder mit Lern- und Sprachdefiziten bis zu 18 Wochen. Mit den Fördermitteln des Bundes sollen vor allem Grund- und Hauptschulen für den Ganztagsbetrieb ausgebaut werden. Die Hauptschulen erhalten zusätzlich pädagogische Assistenten und sollen mehr Deutsch und Mathe unterrichten.
Ob 26 Mio. Euro Fördergeld ausreichen, darüber streiten Regierung und Opposition. Dass Baden-Württemberg mehr Migranten zur mittleren Reife und zum Abitur führen muss, steht jedoch fest, wie das Statistische Landesamt vorrechnet. Anders könne das Land sein hohes Bildungsniveau nicht halten und die Betriebe mit Fachkräften versorgen. Bereits jetzt stammt jeder dritte Jugendliche aus einer Zuwandererfamilie.
Tops und FlopsStärken Gute Schulen und Berufsschulen, wenige Schulabbrecher und Sitzenbleiber, hohe Investitionen ins Bildungssystem, wettbewerbsorientierte Hochschulen, die viele Drittmittel einwerben, hoher Grad an Internationalisierung, kurze Ausbildungszeiten.
Schwächen Integration von Migranten, wenige Ganztagsplätze in Kindergärten und Schulen, wenige Krippenplätze.