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  FTD-Serie: Die Nobelpreise des Jahres 2008

Sekt und Blitzlichtgewitter für wenige, enttäuschte Hoffnungen für viele: In diesen Tagen gibt die Nobel-Stiftung bekannt, wer 2008 die Nobelpreise für Medizin (6.10.), Physik (7.10.), Chemie (8.10.), Literatur (9.10.), Frieden (10.10.) und Wirtschaft (13.10.) erhält.

Merken   Drucken   07.10.2008, 11:21 Schriftgröße: AAA

Medizin-Nobelpreis: Große Freude, großer Zwist

Der Medizinnobelpreis geht zu gleichen Teilen nach Deutschland und Frankreich. Die Verleihung an die französischen HIV-Forscher Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier sorgt allerdings in den USA für ein wenig Ärger. von Georg Dahm, Stefanie Kreiss und Anja Achenbach (Hamburg)
Zumindest für den Wissenschaftsstandort Deutschland herrschte gestern eitel Sonnenschein: Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren geht wieder ein Medizinnobelpreis an einen heimischen Forscher. Jedenfalls zur Hälfte: Der emeritierte Medizinprofessor Harald zur Hausen, ehemals Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, wird für seine Entdeckung ausgezeichnet, dass das humane Papillomavirus den gefährlichen Gebärmutterhalskrebs auslöst.
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Dass die epochemachenden Entdeckungen schon über 20 Jahre zurückliegen, störte gestern niemanden, auch nicht Forschungsministerin Annette Schavan, die in dem Preis eine Auszeichnung für die deutsche Wissenschaftslandschaft sieht. Worin ihr selbige zustimmt: „Die deutsche Krebsforschung muss sich im internationalen Vergleich nicht verstecken“, sagt Per Sonne Holm, Onkologe am Klinikum rechts der Isar der TU München. „Wir haben hervorragende Institute über das gesamte Land verstreut.“
US-Pharmakonzern vermarktet Impfstoff
Nur mit der Vermarktung hapere es hierzulande ein wenig – eine Erfahrung, die auch zur Hausen machte: Aus seiner Entdeckung machte ein US-Pharmakonzern einen profitablen Impfstoff, ein deutsches Unternehmen hatte abgewinkt. Zur Hausen, den die Nachricht in seinem Labor am DKFZ erreichte, wo er auch nach der Emeritierung weiter arbeitet, blickt ebenfalls optimistisch auf die Qualität der deutschen Forschung: „Wenn Sie sich die führenden Fachmagazine ansehen, werden Sie zunehmend deutsche Beiträge finden.“
Ehrung für französische HIV-Forscher Nicht minder tief greifend ist die wissenschaftliche Leistung, für die die französischen Forscher Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier vom Institut Pasteur belohnt werden: Sie fanden den Erreger der Immunschwächekrankheit Aids, das HI-Virus. Beide Arbeiten haben die Medizin verändert. Denn beide lieferten grundlegend neue Erkenntnisse darüber, wie Viren ihr Erbgut in menschliche Zellen einschleusen, es dort vor dem Immunsystem tarnen und schwerste Krankheiten auslösen.
Während die Freude über den deutschen Teil des Nobelpreises ungeteilt ist, wird der französische Part einem renommierten Forscher die Laune verhagelt haben: Der US-Virologe Robert Gallo hatte mit den Preisträgern jahrelang darüber gestritten, wer das Virus entdeckt hat und das Patentrecht für den ersten HIV-Test beanspruchen kann. Diesen alten Zwist hat das Nobelpreiskomitee nun für beendet erklärt: „Es kann als klar erwiesen gelten, dass die Entdeckung in Frankreich gemacht worden ist. Und wenn es darum geht, wer eines Nobelpreises würdig ist, sind wir die Experten.“
Bilderserie Bilderserie: Wofür Deutsche den Nobelpreis erhielten
Gefahr Der Human-Papilloma-Virus ist zwar nach den Genitalwarzen benannt, die er verursacht, steckt aber auch hinter 5 Prozent aller Krebsfälle weltweit. Dazu gehören Tumore am Mund, Hals und an männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen.
Verbreitung HPV gehört zu den häufigsten durch Geschlechtsverkehr übertragenen Erregern, 50 bis 80 Prozent sind infiziert.
  • FTD.de, 07.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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