Bereits mehrfach wurde der Junge am offenen Herzen operiert. Die defekte Herzklappe wurde durch eine künstliche ersetzt. Diese muss, bis er ausgewachsen ist, in regelmäßigen Abständen durch eine größere ersetzt werden.
Am Freitag bekommt er wieder eine neue Klappe. Diesmal allerdings ohne eine Operation am offenen Herzen, bei der der Brustkorb geöffnet und eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird. Mediziner des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) bringen die neue Klappe per Ballon- Katheter durch die Leistenvene an ihren Bestimmungsort. Es ist das erste Mal, dass eine solche Implantation routinemäßig an einem deutschen Krankenhaus durchgeführt wird. Insgesamt drei Jugendliche im Alter von 15, 16 und 17 Jahren sowie ein 28-Jähriger werden am Freitag in Berlin behandelt.
Herzklappen-Implantationen per Katheter gelten als der neue Weg in der Kardiologie. Das auch Melody genannte Klappen-System wurde von Philipp Bonhoeffer, einem deutschen Kardiologen, entwickelt. Gedacht ist es für Kinder und Jugendliche, bei denen eine der vier Herzklappen, die so genannte Pulmonalklappe, defekt ist. Knapp 50 Teams weltweit arbeiten bereits an ähnlichen Modellen.
Rund 6000 Kinder im Jahr kommen in Deutschland mit einem Herzfehler auf die Welt, geschätzte 10 Prozent sind "blue babies", sie leiden unter der Fallotschen Tetralogie, durch die Fehlbildung der Pulmonalherzklappe kommt es zu einer ständigen Unterversorgung mit Sauerstoff.
Die betroffenen Kinder benötigen meist eine neue Klappe. Während diese bei Erwachsenen je nach Modell viele Jahre halten, ist die Lebensdauer der Prothese bei Kindern begrenzt: So wie das Kind wächst, wächst auch sein Gefäßsystem. Die eingesetzte Klappe aber bleibt unverändert und muss in regelmäßigen Abständen durch ein größeres Modell ersetzt werden.
Und genau da lag bisher das Problem: Bis ins Erwachsenenalter müssen die Kinder zumeist drei bis vier Mal operiert werden, und mit jedem Eingriff wird es gefährlicher: Das Gewebe um das Herz vernarbt, das Blutungs- und Infektionsrisiko steigt. "Das größte Risiko ist, dass man während der Operation ins Herz rutscht", berichtet Bonhoeffer, der deshalb eine Alternative schaffen wollte.
Die Idee zum Melody-System kam dem Mediziner, Großneffe des berühmten Theologen Dietrich Bonhoeffer, in der Badewanne. Nach einer rund zehnjährigen Entwicklungsphase hat die Katheter-Klappe nun im vergangenen Oktober die Marktzulassung für Europa erhalten und wird durch den US-Medizinprodukte-Hersteller Medtronic vertrieben. Bis heute hat Bonhoeffer 170 Patienten mit der Katheter-Herzklappe behandelt, insgesamt haben rund 300 Menschen eine Melody-Klappe erhalten.
Wie das Melody-System funktioniert