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  FTD-Serie: Nobelpreis 2007

Für herausragende Leistungen in Wissenschaft, Politik und Literatur werden in dieser Woche in Stockholm die Nobelpreisträger 2007 verkündet. FTD-Online präsentiert alle Hintergründe über die Gewinner und zeigt, welche Deutschen in der Vergangenheit mit den begehrtesten Preisen der Welt dekoriert wurden.

Merken   Drucken   09.10.2007, 15:14 Schriftgröße: AAA

Nobelpreisträger feiert mit Rest-Sekt

Naturwissenschaftler gelten als bescheiden. Da macht Peter Grünberg keine Ausnahme, der in diesem Jahr zusammen mit dem Franzosen Albert Fert den Physik-Nobelpreis bekommt. Als er die Nachricht erhielt, gab's Sekt aus dem Labor-Kühlschrank. Der stammte noch von einer anderen Feier.
Der Wissenschaftler wurde erst kurz vor der offiziellen Bekanntgabe vom Nobelpreiskomitee angerufen. "Er war gerade beim Checken seiner E-Mails", sagte Kosta Schinarakis, Sprecher des Forschungszentrums Jülich. "Das erste, was er gesagt hat, war 'Die Verbindung ist so schlecht'. Seine Festnetzleitung war nämlich aufs Handy umgestellt." Auf die große Nachricht habe er dann mit dem Satz reagiert: "Das ist eine große Ehre."
Bilderserie Bilderserie: Wofür Deutsche den Nobelpreis erhielten
Nach dem Telefonat stieß Grünberg mit seinen Kollegen an. "Wir hatten noch zwei Flaschen Sekt unserer Hausmarke von der letzten Feier im Kühlschrank", sagte Schinarakis. "Champagner gab's nicht." Grünberg dankte seinen Mitarbeitern und unterstrich, dass mit dem Preis eine "Teamleistung" ausgezeichnet werde.
Er habe insgeheim gehofft, "diesen Preis einmal zu bekommen", sagte der Physiker später bei einer Pressekonferenz. Auf die Bedeutung des Preises angesprochen, sagte er: "Das Geld ist ja auch ganz schön." Das Schönste an der Auszeichnung sei für ihn, dass er jetzt nie mehr befürchten müsse, aus Altersgründen nicht mehr ins Labor zu dürfen: Der Preis "sichert meine Situation, in der Forschung zu bleiben", sagte der 68-Jährige.
Peter Grünberg erhielt den Nobelpreis für Physik   Peter Grünberg erhielt den Nobelpreis für Physik
Forschen für die Festplatte
Die Entscheidung für die beiden Preisträger hatte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstagvormittag in Stockholm mitgeteilt. Damit geht der Physik-Nobelpreis bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren an einen Deutschen. Erst 2005 hatte der Münchener Physiker Theodor Hänsch diese Auszeichnung bekommen. Grünberg ist der 25. deutsche oder deutschstämmige Physiker, der den Physik-Nobelpreis seit dessen Anfängen 1901 erhält. Er ist in diesem Jahr mit umgerechnet 1,1 Mio. Euro dotiert.
Die Entdeckung des so genannten Riesenmagnetowiderstands hat die Speicherkapazität von Festplatten drastisch erhöht. Grünberg, der mehr als 30 Jahre am Forschungszentrum Jülich der Helmholtz-Gemeinschaft arbeitete, und der heute 69-jährige Fert hatten das Phänomen 1988 unabhängig voneinander entdeckt. Das Ergebnis reiner Grundlagenforschung hat sich zu einem Milliardenmarkt entwickelt. Geräte mit diesem Riesenmagnetowiderstand stecken heute in Computern, MP3-Spielern oder digitalen Videorekordern.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), selbst Physikerin, gratulierte Grünberg. An dessen Arbeit könne man sehen, wie Grundlagenforschung zur täglichen Anwendung führe. Ihre Parteikollegin Annette Schavan schloss sich dem an. Die Bundesforschungsministerin wertete die Verleihung als Zeichen, dass Deutschland ein "hervorragender Standort für Spitzenforscher" sei.
Ein Sammler von Preisen
Seit der Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands 1988 hat Grünberg mehrere Auszeichnungen bekommen, darunter den Zukunftspreis 1998 und die Ehrendoktorwürde der Universität Bochum (2002). Zudem erhielt er 2007 den renommierten israelischen Wolf Prize. Der heute 68-Jährige trat 2004 offiziell in den Ruhestand. Dennoch kommt er noch mehrmals wöchentlich in sein Büro.
Das Zentrum in Jülich ist eine der größten Forschungseinrichtungen Europas mit rund 4400 Mitarbeitern, darunter knapp 1300 Wissenschaftler. Zudem besuchen jährlich mehr als 800 Gastforscher aus über 50 Ländern die Einrichtung. Wissenschaftler der Disziplinen Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Ingenieurwissenschaften widmen sich in Jülich den Bereichen Gesundheit, Information, Umwelt und Energie.
Seinen aus der Grundlagenforschung geborenen Beitrag zur Computertechnik betrachtet Grünberg ohne übertriebene Leidenschaft: "Ich hätte mir eigentlich mehr gewünscht, dass ich im Bereich Energieeinsparung, im Bereich Umwelt eine Entdeckung mache oder etwas voranbringe", bekannte er zur Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 1998. Forscher würden jedoch in der Regel dem folgen, was möglich erscheine, und nicht dem, was nötig sei.
  • FTD.de, 09.10.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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