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Merken   Drucken   23.05.2007, 18:50 Schriftgröße: AAA

Nordpol backbord  

Weil das Eis in der Arktis schmilzt, können Frachter bald schneller von Europa nach Asien fahren. Satellitensysteme sollen die Schiffe sicher durch die Nordostpassage lotsen. von Peter Ringel
Eine Eisbärin mit ihren Jungen im nördlichen Alaska   Eine Eisbärin mit ihren Jungen im nördlichen Alaska
Für Eisbären könnte sie das Aus bedeuten, für Seebären eine lohnende Abkürzung: eine eisfreie Arktis. Taut es im Nordpolarmeer weiterhin so rasant wie bisher, dürfte der nördliche Seeweg von Europa nach Ostasien bald offen sein - der Treibhauseffekt macht es möglich.
Von Hamburgs Hafen sind es durch den Suezkanal rund 11.000 Seemeilen bis zur japanischen Partnerstadt Yokohama. Oben rum, entlang der sibirischen Küste, ist die Strecke um fast 40 Prozent kürzer. Meist versperren eisige Barrieren die Route, doch wegen des Klimawandels schrumpfen die Eisfelder rund um den Nordpol. Wann die Arktis erstmals seit Menschengedenken weitgehend eisfrei sein könnte, ist bisher nicht exakt vorhersagbar. Der Uno-Weltklimarat geht von Mitte bis Ende dieses Jahrhunderts aus, laut einer jüngst in der US-Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlichten Studie könnte der arktische Ozean sogar schon ab 2020 eine freie Wasserfläche sein.
Eisdichte lässt sich nicht messen
Der Seeweg zwischen Nordkap und Beringstraße war in den vergangenen Jahren bereits wiederholt für wenige Tage offen, meist im September. Beim deutschen Reederverband hält man die Nordostpassage für interessant, sobald sie garantiert länger als drei Monate passierbar ist. Zunächst dürften sich kleinere Reedereien an die Route wagen, bevor Branchengrößen wie Hapag-Lloyd oder Hamburg Süd aufspringen. Für Megacontainerfrachter gilt die Nordostpassage wegen der geringen Tiefe als riskant. Doch neuerdings ordern deutsche Reeder bei Werften vermehrt Schiffe mit hoher Eisklasse, die für die Fahrt in polaren Breiten gewappnet sind. Geht es nach der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA), pflügen bald die ersten Handelsschiffe durchs Nordmeer: "In etwa fünf Jahren kann es los gehen", sagt Meerestechniker Walter Kühnlein, "vielleicht früher". Wenn Frachter mit schwachem Eis fertig werden und Eisbrecher lokale Barrieren wegräumen, sei der nördliche Seeweg künftig fast ganzjährig zu befahren.

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