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  FTD-Serie: 101 Köpfe der deutschen Forschung

Wer steckt hinter wegweisenden Entwicklungen und Techniken der Zukunft? Wer bringt den Forschungsstandort Deutschland maßgeblich voran? Wir stellen die führenden Akteure in Wissenschaft und Forschung vor.

Merken   Drucken   02.01.2005, 18:45 Schriftgröße: AAA

Ralf Zastrau: Umsatz mit kleinsten Teilchen

Ralf Zastrau ist Geschäftsführer von Nanogate. Das Nanotech-Unternehmen in Saarbrücken entwickelt Schutzschichten für Oberflächen. von Kristin Hüttmann
Es ist Freitagnachmittag, wenig los in der alten Fabrikhalle. In der Ecke hängen ein paar schlaffe, weiße Kittel. Während sein Mitarbeiter die Produkte des Hauses zeigt, tigert Ralf Zastrau im Showroom auf und ab. Ganz so, als hätte er Angst, die Bodenhaftung zu verlieren. Dann fängt er an, Infobroschüren zu ordnen, wischt den Tisch mit einem Läppchen ab. Und fällt schließlich seinem Mitarbeiter ins Wort, der die Arbeit des Unternehmens erläutert. Zastrau greift zum Bild der Auster, darin die Perle. Es gehe darum, vorhandene Werte zu veredeln. Waschbecken, die Schmutz abweisen, Autoscheiben, die sich selbst reinigen, Metalle, die nicht korrodieren.
Ralf Zastrau, Wirtschaftsinformatiker und Diplomkaufmann, Schnellsprecher und zweifacher Vater, ist der Geschäftsführer von Nanogate. Das Saarbrücker Start-up-Unternehmen entwickelt Schutzschichten aus winzigen Partikeln, so genannten Nanoteilchen, an denen Wasser und Schmutz keinen Halt finden. Fortschritt im kleinen Maßstab: ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter. Dazu kommt ein cleveres Vertriebskonzept. Die Saarbrücker veredeln Becken und Scheiben nicht selbst. Sie karren auch nicht riesige Mengen ihres Beschichtungsstoffes durch die Gegend, sondern liefern ein flüssiges Konzentrat, das ihre Kunden weiterverarbeiten. Keine schillernden Technologieträume, sondern praktische Antihaftbeschichtungen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nachwuchsunternehmen der Branche bietet Nanogate marktreife Produkte - und konnte damit erstmals 2004 Gewinne einfahren.
Es hätte auch anders kommen können
"Wir hatten am Anfang im Grunde nichts außer ein paar Ideen und Wissenschaftlern", sagt Zastrau. Dass das nicht reicht, wusste auch der größte Teilhaber des Unternehmens, die Venture Capital Gesellschaft 3i. Sie warb Zastrau dem Elektrotechnikkonzern ABB ab und steckte ihn 1999 ins Gründerteam. "Er hat Struktur reingebracht", bescheinigt Hartmut Gottschild, Zastraus ehemaliger Vorstandskollege. Zastrau selbst lächelt heute über seine eigene euphorische Naivität. "Am Anfang glaubt man eben noch an die Businesspläne", sagt er. Schnell war das investierte Geld alle, die Hausbank wollte keine weiteren Kredite gewähren. Aber Zastrau gab nicht auf. Die Landesbank Saar sprang ein, zu deren Gesellschaftern das Saarland gehört - Wirtschaftsförderung fürs eigene Land und Überlebenshilfe für Nanogate.
Geld allein hätte jedoch nicht gereicht, um das Unternehmen zu stabilisieren, sagt Armin Reinke, der damals bei der Bank für Nanogate zuständig war. "Gerade in den schwierigen Anfangszeiten wäre es ohne Ralf Zastrau nicht gegangen." Ein anderer hätte vielleicht aufgegeben, Zastrau suchte neue Lösungswege, um Banken und Venture-Capital-Geber "bei der Stange zu halten", wie Reinke sagt. Noch sei man nicht am "Return of Invest", aber eine Neuausrichtung des 45-Mann-Unternehmens sei gelungen.
"Touch us every day"
Der 39-Jährige ist Unternehmer durch und durch. Schon immer. Wie sonst kommt man auf die Idee, mit 16 einen Gewerbeschein für den Vertrieb von Computerteilen zu beantragen? "Ich wollte eben verkaufen", sagt er heute über den Teenager Zastrau, als gäbe es für 16-Jährige keine andere Beschäftigung.
Verkaufen will er auch heute noch. Was, sei ihm dabei gar nicht so wichtig. "Mir ist das eigentlich egal, ob das jetzt Nanotechnologie ist oder nicht." Hauptsache, der Kunde habe etwas davon. Und natürlich sein Unternehmen. "Touch us every day", erklärt er den Firmenslogan. Und meint damit den ambitionierten Wunsch, ein jeder möge täglich mit Nanogate-Produkten in Kontakt kommen. Ein ehrgeiziges Ziel.

Persönliche Fragen
Ihr schlechtestes Schulfach? Ich habe Chemie gehasst. Chemie war sicherlich sehr schwierig, aber das lag immer am Lehrer.
Mit welcher Technik stehen sie auf Kriegsfuß? Mit der Waschmaschine.
Welche Innovation brauchen wir am dringendsten? Eine Umstellung des Denkens: Mehr Freiheit für den Einzelnen, aber auch mehr Verantwortung.
  • FTD, 02.01.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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