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Merken   Drucken   25.08.2005, 18:59 Schriftgröße: AAA

Rezeptur für Selbstbetrug  

Die Quacksalber des Mittelalters hatten kaum wirksame Medikamente. Doch sie kannten die heilende Kraft des Glaubens: Mit obskuren Pülverchen und Tinkturen kurierten sie manches Leiden. Jetzt konnte der Placebo-Effekt nachgewiesen werden. von Constanze Böttcher
Nachweis der Wirksamkeit von Placebo-Medikamenten   Nachweis der Wirksamkeit von Placebo-Medikamenten
Heute erleben Scheinmedikamente, so genannte Placebos, eine Renaissance. Sie bestehen lediglich aus Milchzucker, Kochsalzlösung oder Stärke. Dennoch können sie Schmerzen lindern. Wichtig dabei ist nur, dass der Patient fest an die Heilwirkung glaubt. Allein dieser Glaube, so vermuteten Wissenschaftler schon länger, aktiviere spezielle Botenstoffe im Gehirn, die den Schmerz unterdrückten. Doch diese Hypothese konnte bis jetzt nie direkt bewiesen werden. Nun machten Forscher der Universität Michigan, USA, erstmals sichtbar, dass der Placebo-Effekt tatsächlich auf messbaren Vorgängen im Gehirn beruht.
Jon-Kar Zubieta, Leiter der US-Forschergruppe, und sein Team rekrutierten für ihre Untersuchungen 14 junge Männer. Zunächst injizierte der Mediziner seinen Probanden eine winzige Dosis eines radioaktiven Stoffs. Dieser lagerte sich im Gehirn an jene Andockstellen (Rezeptoren) an, die natürlicherweise von körpereigenen Schmerzkillern besetzt werden. Anhand der radioaktiven Signale konnte Zubieta die jeweils aktuelle Lage an den Schmerzrezeptoren im Hirn beobachten: Ein Positronen-Emissions-Tomograf (PET) detektiert, wo es radioaktiv strahlt und wo nicht.
Freiwillige Schmerzen
Um den Freiwilligen experimentell Schmerz zuzufügen, injizierten die Forscher eine konzentrierte Salzlösung in die Kiefermuskulatur: Das ist relativ peinvoll. Anschließend erhielten die Probanden in regelmäßigen Abständen eine weitere Spritze: Sie enthielt nur eine harmlose, unwirksame Lösung, allerdings wurde den Testpersonen mitgeteilt, dass diese Injektion Schmerzen lindern könne.

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