Der Humanoid-Roboter Kondo nimmt am Robocup German Open teil
Scheinbar ziellos staksen sie über das Spielfeld, drehen sich mit kleinen Trippelschritten um die eigene Achse und blöken wie Schafe. "Das Geräusch nervt ein wenig", sagt Martin Riedmiller, Informatikprofessor an der Universität Osnabrück. "Aber wenn wir versuchen, es abzustellen, ergeben sich andere Probleme. Daher haben wir es gelassen."
Trotz ihrer Plumpheit sind die kleinen zweibeinigen Roboter die Hauptattraktion bei den Robocup German Open, den offenen deutschen Meisterschaften im Roboterfußball. Es ist das erste Mal überhaupt, dass humanoide Roboter antreten. Da verzeiht man die Stolperer.
Erfahrungen mit verhaltenen Starts
Die Organisatoren haben ihre Erfahrungen mit verhaltenen Starts. "Bei der ersten Weltmeisterschaft im Jahr 1997 hatten wir 300 Teilnehmer und waren froh, wenn sich überhaupt etwas bewegte", sagt Hans-Dieter Burkhard, Vizepräsident der International Robocup Federation. Der Professor für Künstliche Intelligenz an der Berliner Humboldt-Universität war mit seinem Team damals der einzige Teilnehmer aus Deutschland und holte auf Anhieb den Weltmeistertitel in der Simulationsliga. Hier spielen keine Roboter, sondern nur deren Steuerprogramme, so genannte Softwareagenten, auf einem virtuellen Spielfeld gegeneinander. Heute sind weltweit 4000 Wissenschaftler in 40 Ländern mit dem Robocup beschäftigt.
An Bewegung auf dem Spielfeld ist auch kein Mangel mehr. Von Jahr zu Jahr hat die Technik rasante Fortschritte gemacht, wurden die Bewegungen der Roboter immer schneller und zielgerichteter - obwohl zugleich die Spielbedingungen erschwert wurden. So konnten sich die komplett autonomen, radgetriebenen Roboter der Middle Size League in den ersten Jahren noch relativ komfortabel anhand einer senkrechten Spielfeldbande orientieren, die die Signale von Laserscannern oder Ultraschallsensoren reflektierte.
Mittlerweile gibt es keinerlei Spielfeldbegrenzungen mehr, außer den auch beim menschlichen Fußball üblichen weißen Linien. Dennoch wissen die Roboter auf dem acht mal zwölf Meter großen Spielfeld auf etwa zehn Zentimeter genau, wo sie sind.
Schnelligkeit ist Trumpf
"Das Problem der Selbstlokalisierung kann als gelöst angesehen werden", sagt Paul Plöger vom Fraunhofer-Institut für Autonome Intelligente Systeme in Sankt Augustin. "Hier hat sich die Monte-Carlo-Methode als Quasi-Standard durchgesetzt." Ähnlich wie beim Glücksspiel - daher der Name - wird mit Wahrscheinlichkeitswerten gearbeitet: Der Roboter weiß auf Grund der registrierten Bewegungen seiner Räder, wo er sich wahrscheinlich befindet. Durch den Abgleich mit den übrigen Sensoren verdichtet er diese Hypothesen und kann so seine Position viel schneller bestimmen, als es mit exakten Messungen möglich wäre.
Schnelligkeit ist Trumpf, da unterscheidet sich der Roboterfußball nicht vom menschlichen Vorbild. Zumal sich die Robocup-Gemeinde ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hat: Bis zum Jahr 2050 sollen zweibeinige Roboter den menschlichen Fußballweltmeister schlagen.
Entwicklung bei den humanoiden Robotern wird sich beschleunigen
Solche WM-tauglichen Roboter werden dann gewiss ganz anders aussehen als das Spielzeugmodell "Robosapien", das die Teams der Universitäten Osnabrück und Freiburg für die Demonstrationsspiele bei den Robocup German Open modifiziert haben. Oder als der Roboter "Kondo", den Teams aus Freiburg und Darmstadt programmiert haben.
Angesichts manch tapsiger Gehversuche können einen schon Zweifel hinsichtlich der langfristigen Robocup-Zielsetzung beschleichen. Doch die Erfahrungen mit den anderen Ligen lassen erwarten, dass sich auch bei den humanoiden Robotern die Entwicklung beschleunigen wird. Ansonsten stimmen die meisten Forscher wohl Hans-Dieter Burkhard zu, wenn er über seine Motivation sagt: "Ob wir unser Fernziel erreichen oder nicht, auf dem Weg dorthin werden wir auf jeden Fall eine Menge gelernt haben."