"Wir wollen, dass sich die Menschen unbeschwert die Umgebung angucken können und gar nicht mehr ans Schalten denken müssen", sagt Gerd Weiße, einer der Entwickler. Das Getriebe funktioniert rein mechanisch über eine Fliehkraftsteuerung. Wenn das Rad langsam dreht, rotieren die kleinen Gewichte in der Nabe nahe an der Achse, bei schnellerer Fahrt werden sie durch die Fliehkraft auseinander getrieben. Dabei ziehen sie am Bowdenzug, der das Schaltwerk Gang für Gang hoch schaltet. Sobald das Rad langsamer wird, drücken Federn die Gewichte wieder zusammen, und die Automatik schaltet herunter.
Bei welchem Tempo die Mechanik einen bestimmten Gang wählt, kann in gewissem Rahmen den Gewohnheiten des Radlers angepasst werden. Die Schaltung ist als kompakter Bausatz aus Hinterradnabe und verkürztem Bowdenzug konzipiert, auch Gebrauchträder mit Kettenschaltung lassen sich umrüsten. Die komplexe Mechanik im Inneren der Hinterradnabe ersetzt dann den Schalthebel am Lenkrad.
Ähnliche Modelle in Amerika
Nach Auskunft des ADFC gibt es ähnliche Modelle bereits in Amerika. Die Akzeptanz sei dort aber vor allem wegen der schlechten technischen Ausführung gering. Die japanische Firma Shimano wiederum bietet seit mehreren Jahren unter dem Namen Smover elektronische Automatikschaltungen an, kombiniert mit einer ebenfalls elektronisch gesteuerten Federung und einem Akku, der permanent per Dynamo geladen wird. Auf dem Markt konnten sie sich bisher auch wegen des recht hohen Preises nicht durchsetzen.
"Wir sehen ein riesiges Potenzial für eine automatische Fahrradschaltung", sagt Daniel Fikuart, Chefredakteur des Magazins "Aktiv Radfahren". "Es gibt immer mehr Wiedereinsteiger, die das Fahrrad als Wellnessgerät entdecken." Gerade für Senioren und unerfahrene Radler sei Schalten oft abtörnend. Deshalb findet Fikuart eine solche mechanische Lösung einfach und genial. Leider jagten Industrie und der risikoscheue Handel noch immer dem Jugendwahn nach.
Gegenüber bisherigen Entwicklungen sieht Gerd Weiße seine neue Schaltung im Vorteil: "Elektronische Schaltungen brauchen Strom und sind zu aufwändig und anfällig. Unsere Automatik ist umweltfreundlich, wartungsfrei und viel preiswerter." Schon für 100 bis 150 Euro könnte sie zu haben sein, wenn sich jemand findet, der große Stückzahlen herstellt. Bisher gibt es erst einige einzeln angefertigte Prototypen in Testrädern.
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