Zwar ist es dem Forscherteam der kalifornischen Firma Stemagen noch nicht gelungen, aus den Klonembryonen auch die heiß begehrten embryonalen Stammzellen zu gewinnen. Aber alle Experten gehen davon aus, dass dies nur noch eine Frage der Zeit ist.
Weniger einig ist man sich in der Frage, ob dieses therapeutische Klonen, also die Herstellung von Ersatzgewebe aus Hautzellen eines Patienten, überhaupt eine Zukunft hat. Der Stammzellforscher Rudolf Jaenisch vom Bostoner Whitehead Institute, der therapeutisches Klonen noch bis vor Kurzem als gangbaren Weg für die klinische Anwendung befürwortete, hält es jetzt für "obsolet". Denn inzwischen ist es möglich, Hautzellen auch ohne den Umweg über das Klonen in embryonale Stammzellen zu verwandeln. "Ich verstehe die ganze Aufregung um diese Veröffentlichung nicht", sagt Jaenisch. Und der Klonforscher Eckhard Wolf von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hält es für "völlig unrealistisch, dass therapeutisches Klonen jemals in die Klinik kommt".
Keine Massenbehandlungen möglich
Dahinter steht die Überlegung, dass Klonen viel zu aufwendig ist, um die Massen von Patienten zu behandeln, denen damit geholfen werden könnte. So gibt es allein in Deutschland derzeit 550.000 Diabetespatienten, für die neue insulinproduzierende Zellen gezüchtet werden könnten.
Für jeden Patienten muss ein eigener Klon erzeugt werden, ein bis zwei Dutzend menschliche Eizellen werden dafür benötigt. Allein über unentgeltliche Eizellspenden wird das nicht zu bewältigen sein. Schon heute blüht ein reger Markt um Eizellspenden für künstliche Befruchtungen. Die britische Tageszeitung "Observer" berichtet, dass Frauen im ukrainischen Kiew etwa 300 $ für eine Eizellspende geboten wird, bei der im Schnitt zehn Eizellen anfallen. In Großbritannien zahlen unfruchtbare Paare für diese importierten Eizellen bis zu 3000 Pfund, um daraus mit dem Sperma des Mannes ein halbwegs eigenes Kind zu zeugen. Preise, die dramatisch anziehen würden, wenn Millionen von Eizellen für das therapeutische Klonen benötigt werden. Außerdem unterziehen sich die Frauen einer nicht ungefährlichen Hormonbehandlung - ganz zu schweigen von Schmerzen und Risiko beim Absaugen.
Unabsehbare Kosten
Schon durch die Eizellbeschaffung würden bei jedem therapeutischen Klonvorgang hohe Kosten anfallen. Dazu käme die Laborarbeit, die bislang nicht von Robotern, sondern nur von speziell ausgebildeten technischen Assistenten durchgeführt werden kann. Und wie teuer es werden würde, aus den durch das Klonen gewonnenen Stammzellen das benötigte Gewebe zu züchten, ist derzeit noch gar nicht abzusehen.
Selbst bei Nutztieren, wo das Klonen inzwischen etabliert ist, lohne sich die Prozedur nur in ganz bestimmten Fällen, sagt Eckhard Wolf. Bei Preisen von 10.000 bis 20.000 Euro pro Klon werden derzeit nur besonders wertvolle Tiere für die Zucht reproduziert.