Zuerst kommt ein Anruf aus einer Bank oder Anwaltskanzlei. Ein großzügiger Spender, heißt es, möchte der Hochschule gerne eine größere Summe schenken. Wenn alle Bedingungen erfüllt sind, kommt ein Scheck. Die Mittelsmänner sind die einzigen, die wissen, wem das Geld gehört. Die Unis, die das Geld bekommen, müssen versprechen, nicht nachzuforschen, woher es kommt.
Was klingt wie ein Thriller, sorgt an amerikanischen Hochschulen derzeit für großes Rätselraten. 14 Colleges haben in den vergangenen Wochen insgesamt über 80 Mio. $ erhalten - und alle wissen nicht, wer der edle Spender ist. Aber alle sind gespannt, welche Uni möglicherweise als nächstes bedacht wird. Vor einer Woche bekam die Michigan State University 10 Mio. $, die University of Alaska 7 Mio. $. Die meisten anderen Unis sind kaum bekannt, alle, bis auf eine, sind staatlich. Sie sind besonders stark von Haushaltskürzungen in ihren Bundesstaaten betroffen, für manche ist es die größte Spende, die sie je bekommen haben.
Ihre einzige Gemeinsamkeit: Sie werden allesamt von Frauen geleitet. Experten mutmaßen daher, dass der mysteriöse Mäzen eine Frau oder eine Gruppe von Frauen ist. Dafür spricht auch, dass nach dem Willen des Gönners mit dem Geld vor allem Stipendien für Frauen und Minderheiten finanziert werden sollen.
Nach Ansicht von Melissa Berman, Präsidentin der Rockefeller Philantropy Advisors, könnte es eine Frau sein, "die zu einer Zeit aufwuchs, als die Chance, aufs College zu gehen, für Frauen nicht selbstverständlich war, und die glaubt, dass Frauen in Führungspositionen andere darin bestärken können, ihr Potenzial auszuschöpfen". Brian O'Rourke von der Clemson University in South Carolina, vermutet dahinter "eine Gruppe einflussreicher Frauen, die sicherstellen wollen, dass Präsidentinnen von Hochschulen Erfolg haben".