Als leidenschaftlichen Politiker sehen ihn die wenigstenBevor Birchmeier zum Vollblutwissenschaftler wurde, hatte er als Grundschullehrer und Kirchenmusiker sein Geld verdient. Die Liebe zur Musik ist geblieben, selbst spielen tut er nicht mehr: "Es ist unbefriedigend, etwas schlecht zu machen." Stattdessen genießt er das Kulturleben Berlins, besucht Konzerte und Opern. Berlin war schon immer Birchmeiers Traum. Seit 1993 ist er jetzt Professor am MDC. Sein Weg dorthin führte ihn über Stationen in den USA, Tübingen und Essen. "Das ist ganz typisch für einen Schweizer mit Oppositionsgeist", sagt Peter Herrlich, Krebsforscher aus Jena. "Wer da eckig ist, muss in die Ferne gehen, wenn er etwas werden will."
Birchmeiers direkte Art wird von Forscher-Kollegen geschätzt, doch ob sie ihn auch durch sein neues Amt trägt? Als leidenschaftlichen Politiker sehen ihn die wenigsten. Auch er selbst fühlt sich wohler in der Forscherrolle. Trotzdem will und muss Birchmeier für das MDC einiges bewegen. Die Vernetzung von klinischer und Grundlagenforschung müsse vorangetrieben werden, damit Forschungsergebnisse schneller den Patienten erreichen. "Man müsst’ viel mehr machen", sagt Birchmeier nachdenklich, und es ist zu spüren, dass er auch dieses Amt-auf-Zeit möglichst gut ausfüllen will.