Indikatorvögel: Schwäne - hier zwei aktuelle Fälle aus Italien - sterben besonders schnell an H5N1
Unter den ersten von der Vogelgrippe betroffenen Tieren in Deutschland werden Stare und Schwalben sein - viele von ihnen ohne eine Spur des Virus H5N1. Kontrolliert werden sie trotzdem, denn sie sind neuerdings verdächtig. "Es gibt Berichte, dass auch Singvögel H5N1 verbreiten können", sagt Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem nationalen Referenzlabor für die Tierseuche. "Wir werden sie in diesem Jahr zum ersten Mal beproben."
Für die Tiere ist das nur ein wenig unangenehm - nach einem Rachenabstrich mit dem sterilen Wattetupfer werden sie wieder freigelassen. Singvögel, vielleicht auch Enten könnten die Vogelgrippe einschleppen, ohne selbst an ihr zu erkranken - ganz anders als Schwäne, die wie zuletzt in Italien oder in Griechenland schnell an dem Virus sterben. "Das sind gute Indikatorvögel", sagt Reinking.
Ausschau nach toten Vögeln
In ganz Westeuropa und in Afrika halten Veterinäre Ausschau nach toten Vögeln. Die H5N1-Meldungen aus Nigeria sind letztlich auch ein Zeichen, dass die Überwachung einigermaßen funktioniert. An anderen bekannten Nistplätzen von Zugvögeln wie dem Malawisee haben die Überwacher den aggressiven Seuchenerreger nicht entdeckt.
Tote Vögel hatten bereits im vergangenen Herbst auch in Deutschland Anlass zu unbegründeter Panik gegeben - ein paar Wildgänse, die es bis in die Fernsehnachrichten schafften, hatten schlicht Rattengift gefressen. "Wer irgendwo ein auffälliges Vogelsterben beobachtet, sollte sich an den Amtstierarzt vor Ort wenden", empfiehlt Reinking, "auf keinen Fall darf man die Tiere anfassen oder gar irgendwo hinbringen." Der Amtstierarzt kommt entweder selbst vorbei, oder er informiert gleich das zuständige Amt beim Landwirtschaftsministerium des jeweiligen Bundeslandes, denn Vogelgrippe ist Ländersache.
Zwei unterschiedliche Methoden
Dort wird zunächst mit Schnelltests geprüft, ob das tote Geflügel oder die Kotprobe eines Zugvogels mit irgendwelchen Grippeviren infiziert ist. Enten und Gänse sind ein natürliches Reservoir für eine ganze Reihe solche Erreger, die meisten sind allerdings nur schwach krankheitserregend. "Zwischen 3 und 15 Prozent aller Wasservögel tragen Influenzaviren in sich", erläutert Reinking. Die Schnelltests unterscheiden zunächst nur zwischen den beiden großen Gruppen von Influenzaviren, A und B. Wird ein Grippeerreger aufgespürt, schicken die Labore der Bundesländer einen Kurier los, der das verdächtige Material in Spezialbehältern zum FLI fährt. Etwa 100 Proben wöchentlich treffen so im Institut ein, das auf der Ostseeinsel Riems in der Nähe von Greifswald liegt.
Dort bestimmen Wissenschaftler mit zwei unterschiedlichen Methoden, um welche Viren es sich im Einzelnen handelt. Zum einen suchen sie nach den Genen für charakteristische Moleküle auf der Oberfläche des Virus: für ein Eiweiß namens Hämagglutinin und für das Enzym Neuraminidase, aus deren Anfangsbuchstaben das Kürzel für H5N1 abgeleitet ist. Mit einem Polymerase-Kettenreaktion (PCR) genannten Verfahren vervielfältigen sie die Erbinformation und können so den genauen Erregertyp identifizieren. Von der Einlieferung der Probe zum Ergebnis vergehen zwei bis drei Tage. Für den zweiten - noch zuverlässigeren, aber auch langwierigeren - Test werden angebrütete Eier mit dem Probenmaterial versetzt und nach fünf Tagen auf Grippeviren untersucht.
Sache der Ministerien
Seit 2001 fanden die FLI-Forscher bei Wildvögeln in Deutschland acht verschiedene Subtypen von Vogelgrippeviren, darunter auch vier Stämme des Subtyps H5, zu dem der jetzt in Asien grassierende Erreger gehört. H5N1 war aber nicht dabei. Außerdem wurde zweimal der Subtyp H7 entdeckt. Von allen H5- und H7-Funden müssen Proben an das internationale Referenzlabor der OIE in Weybridge bei London weitergereicht werden. Dort werden Vogelgrippeviren aus der ganzen Welt archiviert.
Sollten die Forscher in Riems auf H5N1 stoßen, werden sie keinesfalls laut Alarm schlagen. Der Dienstweg geht über das Untersuchungsamt des betroffenen Bundeslandes und das Verbraucherschutzministerium in Berlin. "Die Information der Öffentlichkeit ist dann Sache dieser Ministerien", sagt Reinking.
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