Aufleben, ausgeben, aufdrehen, abheben - das Weekend der FTD.
Der Mann steht am Kai und besieht, was ein Vierteljahrhundert mit dem kleinen Kutter gemacht hat, der einmal die letzte Chance seiner Nation war. Rost läuft in Schlieren am zerschundenen Rumpf herunter, innen ist die Bordwand rot, grün und weiß, die Farbe Dutzend Male abgewetzt und wieder aufgepinselt. Das Deck ist notdürftig abgedichtet, Bauschaum quillt aus einigen Ritzen. "Es hat mir gleich gefallen, als ich es zum ersten Mal sah." Roberto Herrscher ist ein kompakter Mann Mitte 40, mit wasserhellen Augen, rotblonden Wimpern und einem hellen, gestutzten Vollbart. "Wir hatten es ganz bequem auf dem Boot." Nie würde er etwas Schlechtes über die "Penelope" sagen. Obwohl er fast auf ihr gestorben wäre.
Es war eine englische Granate, mitten in der Nacht. Roberto warf sich auf den Boden, ein Splitter schlug einen Meter neben seinem Kopf in ein volles Kerosinfass. Er hatte Glück, das Fass explodierte nicht. "In so einem Moment weiß man gar nicht, was los ist." Aus seinem Rucksack kramt er eine Digitalkamera hervor. Er macht so viele Fotos vom Deck, vom Rumpf, vom Hafen, als wolle er eine ganze Ausstellung füllen.
In Robertos Heimat Argentinien gibt es viele Menschen, die Rührung empfinden werden, wenn sie diese Bilder der "Penelope" sehen. Sie dümpelt im kleinen Hafen von Büsum, einem adretten Nordseebad mit rot-weiß geringeltem Leuchtturm - ein grindiger Fremdkörper, der zwischen den sauber lackierten Exponaten des Museumshafens geduldet wird.
Der Anblick des alten Schiffs bringt dem Argentinier den Falklandkrieg zurück, den Geruch von frisch gebackenem Weißbrot. Die Produktion von Weißbrot war eines der wenigen Dinge, die die argentinischen Truppen im Griff hatten nach der Besetzung der Falklandinseln im April 1982. Mehr Logistik ließ der Belagerungsring kaum zu. Draußen im aufgewühlten Atlantik lag die drittstärkste Streitmacht der Welt, bereit zum Sprung, um die baumlose, kaum bevölkerte Südecke des Empires zurückzuerobern.