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Merken   Drucken   16.10.2005, 19:07 Schriftgröße: AAA

Wie Google die Welt sieht  

Besonders gut waren die Prognosen der Demoskopen zur Bundestagswahl bekanntlich nicht. Billiger und genauso verlässlich wäre es wohl gewesen, bei Google nachzuschauen: In der immensen Datenbank der Suchmaschine lag Angela Merkel in Sachen Wahl 2005 einige Punkte vor Gerhard Schröder. von Christiane Schulzki-Haddouti
Screenshot www.google.com   Screenshot www.google.com
Das Kästchen für die Suchbegriffe unter www.google.de ist mit Fragen wie "Welcher Kandidat kommt auf Seiten, die sich mit der Wahl beschäftigen, häufiger vor?" etwas überfordert. Aber Google hat seine von Abertausenden von Computern eingesammelten Datenbestände bereits vor einiger Zeit für Forscher und Bastler geöffnet. "Es ist im Grunde ein Experiment, um zu sehen, was die Leute damit machen", sagt Google-Manager John Piscitello dieses noch relativ unbekannte Angebot. "Viele Leute wollen das Web überwachen, um neue Informationen zu verschiedenen Themen zu erhalten."
Technisch funktioniert der Zugang zur Google-Datenbank mit einer so genannten Programmierschnittstelle, im Fachjargon Application Programming Interface (API) genannt. Wer wissen will, wie sich die Welt in den Augen von Google darstellt, kann mit einem fünfzeiligen Programm in fast jeder handelsüblichen Programmiersprache eine Frage per API stellen und bekommt im Nu maschinenlesbare Ergebnisse. Das Ganze ist kostenlos, allerdings beschränkt Google die Nutzung im Normalfall auf 1000 Anfragen pro Tag.
Bild der Wirklichkeit
Die größte Suchmaschine der Welt liefert auf diese Weise ein relativ einfach zu erforschendes Bild der Wirklichkeit. "Man kann die Datenbank auf vielfältigere Weise abfragen als bei einem Zugang über die Google-Suchmaske", sagt Philipp Mayr vom Informationszentrum Sozialwissenschaften in Bonn. Zusammen mit Fabio Tosques vom Berliner Institut für Bibliothekswissenschaft hat er ein Papier über den wissenschaftlichen Wert von Google veröffentlicht. Fazit: Trotz einiger Beschränkungen und Zuverlässigkeitsproblemen ist Googles API ein nützliches Messinstrument.
Einige Anwendungen haben die beiden Google-Forscher auf einer Internetseite gesammelt: Marketingexperten könnten sich beispielsweise dafür interessieren, wie hoch der Anteil bestimmter Wörter wie "VW" oder "Opel" in Wortfeldern wie "Auto" ist. Diese Suche ließe sich dann auch auf bestimmte Websites beschränken. Auf diese Weise ließe sich per Knopfdruck untersuchen, ob eine Zeitung mehr über einen bestimmten Autohersteller berichtet als eine andere.

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