Eine Mitarbeiterin im Labor beim Biotech-Unternehmen Morphosys
Es gibt gute Klempner und schlechte. Effiziente Manager und solche, die nichts bewegen. In der Wissenschaft ist das nicht anders. Auch unter den Forschern gibt es Genies und Nieten. Und in einer Zeit, in der die staatliche Finanzierung für die Forschungsförderung schrumpft, liegt die Frage nahe: Wer soll noch Geld erhalten, wo sind Forschungsmittel gut angelegt, wo nicht? Dazu müsste man wissen, welche Wissenschaftler gut arbeiten und welche sich nur einen Lenz oder gar Unsinn machen.
Zwar werden seit einigen Jahren eifrig Fachaufsätze registriert und Drittmittel addiert, zum Beispiel vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh oder auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Daraus lassen sich trefflich Ranglisten basteln. Doch die Aussagekraft solcher Rankings sei begrenzt, sagt Jürgen Güdler, der bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für Informationsmanagement zuständig ist.
Brauchbare Daten soll bald das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) liefern. Das Institut in Bonn wird am 1. Oktober mit seiner Arbeit beginnen. Finanziert wird es von der DFG. Schließlich vergibt sie mehr Drittmittel als jede andere Institution in Deutschland. Sie will endlich genau wissen, was ihre Gelder bewirken. Sind es wirklich die besten Projekte, die die DFG-Gutachter zur Förderung auswählen? Unterstützen Sonderforschungsbereiche optimal die Netzwerkbildung der Forscher? Erreichen Förderprogramme für den wissenschaftlichen Nachwuchs ihre Zielgruppe?
System der Qualitätskontrolle fehlt
"Man weiß in Deutschland erstaunlich wenig darüber, welche Effekte die Forschungsförderung hat", sagt Stefan Hornbostel, künftiger Direktor des IFQ. Nur kümmerlich sei die Wissenschaftsforschung in Deutschland entwickelt, jene Metadisziplin, die untersucht, wie Forschung funktioniert, wie der Wissenschaftsbetrieb sich selbst organisiert und wie er von äußeren Faktoren beeinflusst werden kann. "In Großbritannien hingegen gibt es seit Jahren ausgefeilte Verfahren, die die Forschungsförderung anhand des Outputs steuern. Auch die Niederlande sind hier viel weiter als wir." Für den Sozialwissenschaftler Hornbostel ein Grund, mit diesen Ländern intensive Kooperationen anzustreben.
Auch das von der Bertelsmann Stiftung finanzierte CHE bemängelt seit längerem, dass ein System der Qualitätskontrolle für die deutsche Forschung fehlt. Eine konkrete Zusammenarbeit von IFQ und CHE sei bisher aber nicht geplant, sagt Gero Federkeil vom CHE. "Vielleicht ergibt sich das künftig." Doch vorläufig solle sich das Bonner Institut auf die DFG-Forschung konzentrieren, während man in Gütersloh weiterhin die Hochschulen bewerte - so komme man sich nicht ins Gehege.
Zunächst geht es im IFQ vor allem darum, Verfahren für die Qualitätskontrolle zu entwickeln. Zu zählen, wie viel ein Forscher veröffentlicht und wie häufig seine Publikation zitiert wird, ist da nur eines von vielen Kriterien. "Man muss auch die Wissenschaftler selber befragen oder verfolgen, wie sich Netzwerke bilden und wie effektiv die Zusammenarbeit ist", sagt Hornbostel. Vor allem Geistes- und Gesellschaftswissenschaften hätten bisher Schwierigkeiten, Kriterien für gute Forschung zu formulieren. Von der DFG werden durchaus unkonventionelle Verfahren in Betracht gezogen: "So könnte man beispielsweise die Feuilletons auswerten und schauen, wie sie auf Diskursangebote aus den Geisteswissenschaften reagierten", schlägt Jürgen Güdler vor.
Hoher politischer Druck
"Der politische Druck, Forschungsmittel nach Leistungskennziffern zu vergeben, hat enorm zugenommen", stellt Hornbostel fest. Diese Maßstäbe soll das IFQ erarbeiten. Daher wurde der Plan, ein solches Institut zu gründen, nicht überall begeistert aufgenommen. So hatten die Bundesländer anfangs große Bedenken gegen eine zentrale Qualitätskontrolle. Auch wären viele Wissenschaftler wenig erbaut über noch einen Fragebogen mehr auf ihrem Schreibtisch. Deren Vorbehalte kann Hornbostel durchaus nachvollziehen: "Wer jedes Jahr Anträge für Drittmittel schreibt, Fragebögen für diverse Rankings ausfüllt, dazu Abschlussberichte verfasst, hat irgendwann die Nase voll. Er muss ja auch mal etwas forschen, über das er dann berichten kann."
Hornbostels Lösung heißt: "intelligente Mehrfachnutzung vorhandener Informationen". Denn das meiste ist längst irgendwo erfasst: in Drittmittelanträgen, Gutachten, Projektberichten. Man muss diese Informationen nur erschließen.
Ein heikler Punkt ist allerdings der Datenschutz. "Es gibt sensible Bereiche, etwa die Gutachten bei der Mittelvergabe", räumt er ein. Dabei wäre gerade hier Interessantes zu erfahren. Werden Frauen benachteiligt? Schieben Old Boys' Networks sich gegenseitig Mittel zu? Klauen Gutachter Ideen aus den Anträgen ihrer Kollegen? "Dergleichen wird oft kolportiert", sagt Hornbostel. Doch Untersuchungen dazu fehlten. "Die Selbststeuerung von Wissenschaft beruht eben auf der Vertraulichkeit von Gutachten."
Mit einem Jahresbudget von 700.000 Euro und zwölf Mitarbeitern startet das IFQ. Die Finanzierung ist für vier Jahre gesichert, dann wird über die weitere Existenz des Instituts neu entschieden - je nach Qualität seiner Forschungsergebnisse. Hornbostel nimmt's gelassen: "Dann müssen wir uns wohl unseren eigenen Bewertungskriterien stellen."
Die LeistungsprobeBislang registrieren das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nur, wie viele Fachaufsätze Forscher veröffentlichen und wie viele Drittmittel sie einwerben. Aus diesen Daten werden Rankings von Hochschulen und Forschungseinrichtungen erstellt. Ein gutes Maß für die Effizienz von Forschern und Instituten ist das aber nicht.
Das neue Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) will mehr Daten erheben. Zudem soll untersucht werden, welche Effekte durch Forschungsförderprogramme erzielt werden können und welche Verfahren sich für die Qualitätskontrolle der Wissenschaft eignen.