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Merken   Drucken   19.02.2011, 09:00 Schriftgröße: AAA

Akademischer Grad gegen bar: Das Millionen-Geschäft mit den Doktortiteln

Jahrelange Recherche und mühsame Schreibarbeit sind so manchem zu anstrengend. Zeitgenossen ohne Geldsorgen blättern für einen akademischen Grad oftmals lieber Geld auf den Tisch. Eine ganze Branche lebt blendend von den Betrügern. von Corinna Kreiler 
Der Aufruf klingt alarmierend: "Der Deutsche Hochschulverband sieht mit großer Sorge, dass der prosperierende Markt der Promotionsberatung geeignet ist, [...] das Vertrauen auf die Nichtkäuflichkeit akademischer Titel zu erschüttern und die redlich erworbenen Doktortitel zu diskreditieren." Vermehrt versprächen so genannte Berater Hilfe bei Dissertationen, letztendlich gehe es dabei aber um Ghostwriting. Dieser Praxis, warnt die Vertretung der Professoren in Deutschland, müsse dringend ein Riegel vorgeschoben werden.
Fliegende Doktorhüte: 43.000 Euro für eine Jura-Dissertation   Fliegende Doktorhüte: 43.000 Euro für eine Jura-Dissertation
Eine brandaktuelle Forderung anlässlich der Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der hochkochenden Debatte um Betrug bei akademischen Titeln. Könnte man meinen. Doch der Aufruf stammt aus dem Jahr 1994.
Getan hat sich seither eigentlich nichts - zumindest aus Sicht der Kritiker. Dafür hat das Geschäft mit den Doktortiteln weiter zugenommen. Erst im vergangenen Jahr hat der Verband wieder einen Aufruf gestartet, um Plagiate und Promotionsberatungen einzudämmen. "Der Titelkauf ist nach wie vor ein Problem", sagt Matthias Jaroch vom Hochschulverband am Donnerstag. Zahlen will er nicht nennen.
Schätzungen des Münchner BWL-Professors Manuel Theisen zufolge, der seit Jahren gegen das unlautere Geschäft mit den akademischen Graden kämpft, sind rund drei Prozent der jährlich rund 25.000 Promotionen in Deutschland erschlichen. Tendenz steigend.
Schummler Guttenberg soll...

 

Schummler Guttenberg soll...

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Im Zeitalter des Internets ist der akademische Grad nur einen Mausklick entfernt. Besonders die Deutschen sind scharf auf den Doktor - im Ausland ist es unüblich, sich den Titel aufs Klingelschild zu schreiben, hierzulande schindet man damit bei vielen Menschen Eindruck.
Die seit Jahren anhaltende Nachfrage nach dem schnellen Doktortitel ernährt mittlerweile eine ganze Branche: Nach Theisens Auffassung hat sich ein millionenschwerer Markt entwickelt. So bieten im Netz professionelle Ghostwriter ihre Dienste an, inklusive Preisliste. Eine 500-seitige Jura-Doktorarbeit kostet bei den in Berlin ansässigen "ghostwriter.nu" beispielsweise 43.500 Euro. Die setzen sich zusammen aus 3000 Euro Grundhonorar plus 75 Euro je Seite.
Es geht aber auch einfacher: So bietet unter anderem die Schweizer Titelmühle "Freie Universität Teufen" akademische Grade gegen Bezahlung einer so genannten "Studiengebühr" an. Eine Urkunde gegen Bargeld.
Einer, der sich nicht zu schade für einen Doktortitel an der verrufenen Hochschule war, ist der CDU-Politiker Dieter Jasper. Vor gut einem Jahr flog auf, dass er seinen akademischen Grad bei dem Titelsupermarkt erworben hatte, die öffentliche Empörung war groß.
Jasper selbst gab an, er sei "dämlich genug" gewesen, den Versprechungen der Schweizer zu glauben. Glaubwürdig ist das nicht: Die "Freie Universität Teufen" genießt seit den 80er Jahren einen entsprechend schlechten Ruf. Jeder, der es wissen will, findet das binnen Sekunden im Netz.

Teil 2: Grauzone Promotionsberatung

  • FTD.de, 19.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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