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Merken   Drucken   04.02.2011, 16:04 Schriftgröße: AAA

Alkoholkonsum bei Jugendlichen: Der Nachwuchs trinkt weniger - aber wenn, dann heftig

Junge Menschen greifen seltener zur Flasche, der Alkoholkonsum fällt im Schnitt erstmals wieder auf das Niveau der 1970er-Jahre. Doch für eine Entwarnung ist es zu früh. Nach wie vor stellt Komasaufen unter Minderjährigen ein großes Problem dar.
Junge Menschen in Deutschland konsumieren weniger Bier, Schnaps und Wein, doch noch immer betrinken sich einige bis zur Bewusstlosigkeit. Der Anteil derer, die sich vier Mal im Monat einen extremen Rausch antrinken ging im vergangenen Jahr nur wenig zurück. Dafür sank der wöchentliche Alkoholkonsum insgesamt auf den niedrigsten Stand seit den 1970er Jahren. Das ergab eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Der Freundeskreis spielt laut Studie beim Griff zum Glas eine zentrale Rolle.
Seltener, aber noch immer üblich: Exzessiver Alkoholkonsum bei ...   Seltener, aber noch immer üblich: Exzessiver Alkoholkonsum bei Jugendlichen
Die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) zeigte sich trotz des Rückgangs beim wöchentlichen Alkoholkonsum besorgt. "Das Binge-Trinken bleibt problematisch", sagte Dyckmans. Dieses extreme Rauschtrinken betreffe vor allem die Jüngeren. "Die unter 16-Jährigen trinken noch zu oft zu viel. Hier müssen wir unsere Kontrollen wirklich verstärken." Sie will künftig bei der Aufklärung vor allem Risikogruppen wie Zwölf- bis 15-jährige Mädchen und junge Männer stärker in den Blick nehmen.
Der Anteil der Zwölf- bis 17-Jährigen, die mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken, halbierte sich innerhalb von rund 30 Jahren und sank von 25,4 Prozent 1979 auf 12,9 Prozent 2010. Bei den 18- bis 25-Jährigen halbierte sich der Wert ebenfalls und sank innerhalb von knapp 40 Jahren von 67,1 Prozent 1973 auf 34,5 Prozent.
Jeder Sechste steht zum Komasaufen Das Kampftrinken und das noch gefährlichere Komasaufen nehmen dabei aber nicht durchgängig ab. Rund ein Sechstel der minderjährigen Jugendlichen räumte extremes Rauschtrinken im vergangenen Monat ein - 2004 war es noch fast ein Viertel (22,6 Prozent). Der Anteil derer, die mindestens vier Mal im Monat fünf Gläser oder mehr trinken, stagniert bei den Zwölf- bis 17-jährigen Jungen bei einem Anteil von knapp acht Prozent.
Der erste Alkohol wird immer später getrunken: Waren es 2004 noch durchschnittlich 14,1 Jahre, steigerte sich das Alter 2010 auf 14,5 Jahre. Der erste Rausch kam 2004 noch mit 15,5 Jahren, nun erst mit 15,9 Jahren.
Der Freundeskreis spielt nach Angaben der BzgA-Direktorin Elisabeth Pott eine zentrale Rolle für das jeweilige Trinkverhalten: Eine übergroße Mehrheit der 7000 Befragten gibt an, dass auch die meisten ihrer Freunde häufig Kampftrinken veranstalten. Die meisten trinken viel, um ausgelassen und locker zu sein.
Eine Studie in Baden-Württemberg zeigt nach Angaben der Drogenbeauftragten, dass Jugendliche vor allem rund um Fastnacht und vor und nach den Sommer- und Herbstferien mehr als sonst trinken. Insgesamt gelten in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen als riskante Trinker, rund 1,8 Millionen als alkoholabhängig.
  • dpa, 04.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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