Bei den Bewohnern der Stätte handle es sich um die ältesten bekannten Vertreter des Homo erectus außerhalb Afrikas, sagt Ferring. Möglicherweise habe sich der Vorgänger des Menschen daher von der Region im Kaukasus aus in Richtung Afrika ausgebreitet - und nicht umgekehrt. Um dies zu belegen, sei allerdings noch weitere Forschung nötig, räumt der Wissenschaftler ein. Bisherige Theorien gehen davon aus, dass der Homo erectus von Afrika aus in die Welt hinauswanderte.
Der Archäologe Wil Roebroeks von der Universität im niederländischen Leiden bezeichnet die neuen Erkenntnisse seiner US-Kollegen als "wichtige Beobachtungen für unser Wissen über die frühe Besiedlung Eurasiens". Roebroeks hatte im Jahr 2005 selbst einen Artikel veröffentlicht, in dem er Asien als die Region bezeichnet, in der der Homo erectus wesentliche Entwicklungsschritte vollzog.
Knochen fehlen noch
Wesentlich kritischer sieht Richard Potts vom Smithsonian's National Museum of Natural History in Washington die neue Theorie. "Bei den jüngst in Dmanisi gefundenen Objekten handelt es sich lediglich um Steinwerkzeuge und nicht um Knochen. Wir können also nicht wissen, wer diese Gegenstände hergestellt hat", sagt der Wissenschaftler. Um die neue Theorie zu beweisen, müsste nach seiner Ansicht erst fossiles Material aus der Zeitspanne zwischen vor 1,85 und vor 1,78 Millionen Jahren gefunden werden.
Michael D. Petraglia von der Universität im britischen Oxford betrachtet die Erkenntnisse von Ferring und Lordkipanidze als durchaus maßgebend. "Diese Steinwerkzeuge stellen den ältesten und am besten dokumentierten Fall einer Besiedlung von Vorgängern des Menschen in Asien dar", sagt er. Es sei daher wahrscheinlich, dass sich der Homo erectus tatsächlich bereits vor 1,85 Millionen Jahren oder sogar noch früher über Afrika hinaus ausgebreitet habe. Dass eine maßgebliche Wanderung in die Gegenrichtung stattgefunden habe, hält auch Petraglia hingegen für weniger wahrscheinlich.