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Merken   Drucken   23.01.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

Bildungsmarkt: Hilfskräfte erledigen Hausaufgaben

Nicht nur Firmen lagern ihre Produktion in Billiglohnländer aus. In Australien schlagen Behörden Alarm: Schüler lassen sich ihre Hausaufgaben von Studenten oder Lehrern in Indien abnehmen von Katharina Grimm, Hamburg
Von der Website Dissertationindia.com lächelt ein indisches Mädchen mit einem Doktorhut und verspricht "a smarter way of working", eine besonders clevere Art zu arbeiten. Gemeint ist das Schreiben von Hausarbeiten, akademischen Aufsätzen, ja, selbst von schnöden täglichen Hausaufgaben. Für umgerechnet 2 US-Dollar lösen Studenten oder Lehrer in Indien, Pakistan oder Ägypten eine Matheaufgabe, die man ihnen per E-Mail zusendet. Ein Aufsatz über fünf Seiten kostet rund 10 Dollar.
Eine Dienstleistung, die offenbar gern in Anspruch genommen wird. Wie die australische Zeitung "The Sunday Telegraph" berichtet, verlagern immer mehr Schüler ihre Hausaufgaben über Internetseiten wie Essays.com oder Realassignmentwriting.com ins Ausland.
Aufsätze für weng Geld
Das Outsourcing von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer ist in der Wirtschaft ein beliebtes Verfahren, um Arbeitskosten zu senken. Nun versuchen sich Schüler dadurch, vor lästigen Schulpflichten zu drücken.
Australische Lehrkräfte machen sich bereits Sorgen über die Ausbeutung. "Wir nehmen die Lage sehr ernst, doch leider ist diese Entwicklung keine Überraschung", sagte der Vizedekan der University of Western Sydney, Craig Ellis. "Man kann maßgefertigte Aufsätze für wenig Geld erwerben. Es wird sehr schwierig sein, dies zu unterbinden." Das Bildungsministerium des australischen Bundesstaats New South Wales warnte bereits Studenten davor, die Arbeiten von anderen anfertigen zu lassen und sie als ihre eigenen abzugeben. Wer betrügt und erwischt wird, muss mit Konsequenzen rechnen.
Doch tun sich die Schulen schwer, den Betrug aufzudecken. Die Aufsätze sind ja nicht abgeschrieben und können so nicht von einer Anti-Plagiat-Software entdeckt werden.
Dabei ist das Modell der Studenten auch nur ein Plagiat. US-Dozenten nutzen bereits seit einiger Zeit die Dienste aus Fernost. Sie schicken Seminararbeiten zu Korrekturkräften nach Indien oder Singapur. Das US-Unternehmen Edumetry hat sich auf diesen Dienst spezialisiert. In vier Tagen und für 12 Dollar pro Text bekommen die Dozenten die benoteten Arbeiten zurück.
Schüler lassen schreiben, und Dozenten benoten. Doch was passiert, wenn ein Lohnschreiber seine eigene Arbeit im Anschluss korrigieren soll? Welche Note würde er sich geben? Vielleicht schickt er die Arbeit wegen Befangenheit zurück. Oder er sourct einfach weiter out.
  • FTD.de, 23.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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