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Merken   Drucken   13.02.2012, 17:45 Schriftgröße: AAA

Dämpfe aus der Erde: Forscher verorten erstes Leben in Urzeittümpel

Bislang gingen Forscher von der Entstehung allen Lebens im Meer aus. Eine neue Studie wirft diese Vermutung um: Vieles spreche dafür, dass ein urzeitlicher Tümpel zu Lande Brutstätte erster Zellen war.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Heike Schmidt
Bislang gingen Forscher von der Entstehung allen Lebens im Meer aus. Eine neue Studie wirft diese Vermutung um: Vieles spreche dafür, dass ein urzeitlicher Tümpel zu Lande Brutstätte erster Zellen war.
Das Leben auf der Erde ist einer Studie zufolge durch Dämpfe entstanden, die aus den Tiefen der Erde aufgestiegen sind. Das Wasser habe sich in kleinen Becken gesammelt und so eine ideale Brutstätte für das erste Leben geschaffen, schreiben der Biophysiker Armen Mulkidjanian von der Universität Osnabrück und seine Kollegen in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS). Bislang hatten viele Forscher angenommen, das Leben habe sich im Meerwasser entwickelt.
Mulkidjanian analysierte zusammen mit Forschern aus den USA und Russland den möglichen Stoffwechsel der ersten Zellen. Diese benötigten demnach relativ hohe Konzentrationen an Zink, Mangan und Phosphor sowie ein hohes Verhältnis von Kalium zu Natrium. Die Urzeit-Brutstätten müssten nach Forscherangaben daher eher den geothermischen Quellen geglichen haben, wie sie heute etwa im Yellowstone-Nationalpark zu finden sind, als den heutigen Meeresfjorden.
Zunächst hatte das Team etwa 60 Gene untersucht, die heute in allen zellulären Organismen vorkommen. "Diese Gene sind auch bei dem gemeinsamen Vorfahren aller zellulären Organismen vorhanden", betonte Mulkidjanian. Anhand der Gene konnten die Forscher einige Proteine dieser Urzelle bestimmen und daraus wiederum auf den Stoffwechsel der frühen Zellen vor etwa vier Milliarden Jahren schließen. Den Forschern zufolge waren die zur Entstehung von Zellen notwendigen chemischen Elemente im Ozean nie in den richtigen Anteilen vorhanden.
"Wir haben geguckt, wie die von den Genen codierten Proteine mit anorganischen Stoffen interagieren - das hat bis jetzt noch keiner gemacht", sagte Mulkidjanian, der in Osnabrück und auch an einer Moskauer Universität arbeitet. Seiner Theorie zufolge sei die Erde ein vulkanreicher Planet gewesen, und die Atmosphäre habe damals derjenigen geähnelt, die heute noch auf der Venus oder dem Mars herrsche. Unter diesen Bedingungen seien damals dank vulkanischer Prozesse Dämpfe und Gase aus dem Erdinnern an die Oberfläche gelangt, die beim Abkühlen urzeitliche Tümpel bildeten. Den Anstoß für die Entstehung lebender Zellen könnten in dieser Umgebung Mineralien gegeben haben, die wie Katalysatoren wirkten. Auch Trockenperioden seien für die chemischen Prozesse wichtig gewesen, erläuterte der Wissenschaftler.
Die ersten Lebensformen seien daher aller Wahrscheinlichkeit nach an Land entstanden und nicht im Ozean oder an dessen Rändern. Das Meer sei erst später bevölkert worden.
  • dpa, 13.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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