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Merken   Drucken   26.11.2010, 15:26 Schriftgröße: AAA

Erfolgreiche Therapie: Babys von HIV-infizierten Frauen meist gesund

In Deutschland ist es gelungen, die Ansteckungsrate von HIV-positiven Müttern auf ihre Kinder auf unter ein Prozent zu senken. Das ist allerdings nur mit einer umfassenden Therapie möglich - Voraussetzung ist der aufgeklärte Umgang mit der Infektion. von Inga Radel
Fast alle Kinder HIV-positiver Mütter kommen heute in Deutschland gesund zur Welt. "Wir können die Ansteckungsrate inzwischen sogar auf unter ein Prozent drücken", sagt Annette Haberl (48) vom HIV-Center der Universitätsklinik Frankfurt.
Das Übertragungsrisiko hänge hauptsächlich davon ab, wie viele Erreger zum Zeitpunkt der Geburt im Blut der Mutter zirkulieren. "Diese Viruslast können wir heute mit modernen Kombinationstherapien innerhalb kurzer Zeit unter die Nachweisgrenze senken", sagt die Ärztin. Als bundesweit erstes Schwerpunktzentrum führte das HIV-Center 1999 eine spezielle Sprechstunde für HIV-positive Schwangere ein.
Das HIV-Center in Frankfurt hat eine spezielle Mutter-Kind-Therapie ...   Das HIV-Center in Frankfurt hat eine spezielle Mutter-Kind-Therapie entwickelt, die das Übertragungsrisiko minimiert
"Damit wir tätig werden können, müssen wir unbedingt von der HIV-Infektion wissen", sagt Haberl, die auch im Vorstand der Deutschen Aids-Gesellschaft (DAIG) sitzt. "Dazu ist der HIV-Test in der Schwangerschaft entscheidend." Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, sei außerdem eine Entbindung in einem Schwerpunktzentrum wichtig. Das Baby bekomme dort in den ersten zwei bis sechs Lebenswochen vorsorglich ein HIV-Medikament.
HIV-positive Frauen schöpfen Mut zum Nachwuchs Rund 300 HIV-positive Frauen bekämen derzeit jährlich in Deutschland ein Kind, Tendenz steigend. In der Frankfurter Uniklinik, gab es in diesem Jahr rund 45 solcher Geburten. "Einige entschließen sich schon zum zweiten oder dritten Kind", berichtet Haberl.
Inzwischen bringen viele HIV-positive Frauen ihren Nachwuchs auf natürlichem Weg zur Welt. Bislang habe es vor allem Kaiserschnitte gegeben. "Das galt als sicherer im Vergleich zur normalen Geburt, die ja viel Blutkontakt für das Kind bedeutet", sagt die Ärztin. Seit 2008 ist die Möglichkeit einer natürlichen Entbindung auch in den deutschen Leitlinien für HIV-positive Schwangere vorgesehen.
"Wenn man nichts tut, beträgt das Übertragungsrisiko bei uns 20 bis 25 Prozent. Stillt eine Frau, kann die Rate bis auf 40 Prozent ansteigen." Vor allem in den Ländern Afrikas südlich der Sahara sei die Mutter-Kind-Übertragung noch ein "riesiges Problem". Weltweit bekämen jährlich etwa 3,2 Millionen HIV-positive Frauen ein Kind. Rund 410.000 Kinder würden infiziert, fast alle von der Mutter.
  • dpa, 26.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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