Der alte Goethe wieder. "Bequeme Möbel heben mein Denken auf", schimpfte er einst. Der große Dichter lümmelte bei der Arbeit nicht in einem Lehnsessel, sondern nutzte einen Stehsitz. Reichskanzler Otto von Bismarck wiederum ließ sich für ein korrektes, aufrechtes Arbeiten einen Reitsattel fertigen, der auf einen dreibeinigen Hocker geschraubt war. Dabei waren die Herren Goethe und Bismarck noch nicht mal mit den Problemen heutiger Büroarbeit konfrontiert. Im 21. Jahrhundert dagegen ist die Welt ein Schreibtisch geworden, alles lässt sich im Sitzen erledigen: das Gespräch mit dem Kollegen in New York, das Dokument auf Laufwerk C, die E-Mail an den Kunden in Peking.
Und der Ärger beginnt schon gleich nach dem Aufwachen.
7 Uhr, los geht's: Sie stehen auf. Und setzen sich auf dem Klo gleich wieder hin. In der Küche wartet die nächste Sitzgelegenheit, Müsli isst sich nicht gut im Stehen. Danach steigen Sie in die Bahn, nehmen Platz, fahren zur Arbeit. Bevor Sie auch nur daran denken, sich in den Bürostuhl fallen zu lassen, haben Sie die ersten Stunden des Tages abgesessen.
Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sitzen die Deutschen zehn bis 15 Stunden am Tag. "Die Deutschen" - das sind 17 Millionen Menschen im Büro, vier Millionen an Maschinen und Produktionsbändern und Hunderttausende am Steuer von Taxis, Lkw, Bussen oder Bahnen. Statt Dichtern und Denkern sind wir ein Volk der Sitzer und Lenker geworden.