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13.07.2011, 12:29
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Nach der Atomkatastrophe:
Nächstes Jahr gibt's Kartoffeln und Kohl aus Fukushima
Wie stark sind Feldfrüchte und Erde bei Fukushima radioaktiv belastet? Forscher von der Uni Tokio haben das untersucht und geben Entwarnung - zumindest für die die nächste Ernte in Japan.
von Michelle Röttger
Ein japanisches Wissenschaftlerteam um den Pflanzen-Radiophysiologen Tomoko Nakanishi hat vorläufige Ergebnisse veröffentlicht, nach denen Boden und Pflanzen um Fukushima nur oberflächlich und gering mit radioaktivem Cäsium belastet sind. Cäsium galt bislang als größtes Problem für eine Wiederbesiedlung der Präfekturen um Fukushima, da die leichtflüchtigen Partikel vom Wind weit verteilt wurden und lange im Boden überdauern. Bei Cäsium 137 ist zum Beispiel erst nach 30 Jahren die Hälfte des strahlenden Stoffs zerfallen. Das Team um Nakanishi testete Feldfrüchte wie Kartoffeln und Kohl aus der Nähe der Universität Tokio und um Fukushima.
Katastrophe des 11. März
Japans fleißige Aufräumtrupps
Die Pflanzen in Tokio wurden ein paar Wochen nach den ersten Regenfällen mit radioaktiven Partikeln in der Region um die Hauptstadt gepflanzt und am 16. Mai geerntet. Sie wiesen ein geringes Radioaktivitätsniveau auf: Um die 9 Becquerel pro Kilogramm. Erlaubt sind für die meisten Nahrungsmittel 500. Der größte Teil hätte sich auf den Pflanzenoberflächen wie Blättern gesammelt und hätte abgewaschen werden können.
Bauern sollen bald wieder anpflanzen können
Rund um Fukushima sei die Kontamination um so höher gewesen, je weiter die Pflanzen während der Regenfälle geöffnet gewesen seien. Die Werte hätten dann bei bis zu einer Million Becquerel gelegen, während Pflanzen, die sich erst später geöffnet hätten, kaum belastet gewesen sein. "Im Moment ist Erntezeit, und die Bauern fragen sich, was sie tun sollen", sagte Nakanishi dazu der Fachzeitschrift "Nature". "Sie können die jetzige Ernte wegschmeißen, danach ist es aber wieder ok, anzupflanzen".
Kritik aus Deutschland
Deutsche Experten halten die vorläufigen Ergebnisse zwar grundsätzlich für plausibel, sehen aber einige Unstimmigkeiten: "Bei Kartoffeln ist nach so kurzer Zeit so oder so keine Belastung zu erwarten, ihre Wurzeln liegen zu tief im Boden", sagt David Tait vom Max Rubner-Institut, das in Deutschland die radioaktive Belastung von Lebensmitteln überwacht. "Zudem lässt sich die Radioaktivität auf den Blättern nicht so leicht abwaschen. Nach unseren Experimenten lassen sich bestenfalls 80 Prozent entfernen."
Dennoch meint Tait, dass die Ergebnisse, auch wenn eine Ferndiagnose ohne detaillierte Daten immer schwierig sei, fundiert seien. Mehr Details und die endgültigen Forschungsergebnisse will das japanische Team im August in der Fachzeitschrift "Radioisotopes" veröffentlichen.
"Wir sammeln alle Daten, die wir aus Japan bekommen und haben schon über 6000 Lebensmittel in unserer Datenbank", sagt Tait. Die meisten Werte seien unauffällig, von daher decken sich die Beobachtungen der Forscher mit denen der japanischen Behörden. "Das Problem ist allerdings, dass in den Veröffentlichungen der japanischen Ministerien häufig ab einem bestimmten Grenzwert nur ‚Radioaktivität nicht messbar‘ festgehalten wird, aber nicht nachzuvollziehen ist, wo die Grenze gezogen wird", erklärt Tait.
Teil 2: Nur oberste fünf Zentimeter kontaminiert
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FTD.de, 13.07.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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