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Merken   Drucken   02.10.2009, 13:29 Schriftgröße: AAA

Nachbarschaftskonflikt: War Alexander der Große ein Grieche?

Mazedonien und Griechenland streiten seit fast zwei Jahrzehnten über die Herkunft des antiken Herrschers. Historiker haben einen ganz klaren Favoriten.

"Alexander ist eher ein Grieche und auf keinen Fall ein Vorfahr der heutigen slawischen Mazedonier", sagt der Leiter der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, Alfried Wieczorek. In seinen Ausstellungsräumen läuft zurzeit "Alexander der Große und die Öffnung der Welt", die Ausstellung befasst sich mit dem antiken Herrscher (356-323 v. Chr.) und seiner Zeit.

Die heutigen Mazedonier beanspruchen jedoch das Erbe von Alexander. Sie wollen dessen Symbole (zum Beispiel den Stern von Vergina) für ihr Staatswappen nutzen. Außerdem haben sie den Flughafen in der Hauptstadt Skopje nach ihm benannt und planen ein mehrere Millionen Euro teures Reiterstandbild Alexanders im Zentrum.

Statue von Alexander dem Großen in Thessaloniki   Statue von Alexander dem Großen in Thessaloniki

"Neueste Forschungen haben noch einmal ganz klar ergeben, dass die Mazedonier zur Zeit Alexanders und die damaligen Griechen eng verwandt waren", sieht Museumsdirektor Wieczorek den Streit entschieden. "Im Altertum konnten sich Griechen und Mazedonier gut verständigen, weil sie dieselbe Sprache sprachen", nannte Wieczorek ein weiteres Argument.

Griechenland will nicht zulassen, dass der Nachbarstaat den Namen Mazedonien überhaupt nutzt. Athen behauptet, Mazedonien dürfe sich aus historischen Gründen nur seine nördliche Provinz nennen. Der Staat Mazedonien hatte sich nach dem Zerfall Jugoslawiens im Jahr 1991 gebildet. Die Bevölkerung von zwei Millionen wird zu einem Viertel von Albanern und zu drei Vierteln von slawischen Mazedoniern gebildet, deren Vorfahren lange nach dem Tod von Alexander dem Großen ab dem 6. Jahrhundert in diese Region einwanderten.

Griechenland blockiert wegen des Namensstreits die weitere Annäherung Mazedoniens an Brüssel, obwohl das Land schon seit 2005 Beitrittskandidat ist. Im letzten Jahr war eine Mitgliedschaft Mazedoniens in der Nato am Einspruch Athens gescheitert. Seit vielen Jahren vermitteln die Vereinten Nationen erfolglos zwischen diesen beiden Staaten.

  • dpa, 02.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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