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Merken   Drucken   17.03.2012, 12:54 Schriftgröße: AAA

Ökonomie als Wissenschaft: Volkswirte müssen endlich dazulernen

Kommentar Die Volkswirtschaftslehre hat in der Krise versagt. Dennoch hält sie an überholten theoretischen Modellen fest - und an ihrem Glauben an Stabilität. Höchste Zeit für ein Umdenken.
von Robert Johnson

Der Berufsstand der Ökonomen muss Buße tun. Waren Volkswirte einst die Hohepriester der vorherrschenden säkularen Religion der Industrienationen, sind sie mittlerweile in Verruf geraten. Die Ursache dafür ist klar: Als 2008 die weltweite Finanzkrise zuschlug, lieferte keine der führenden Theorien der orthodoxen Volkswirtschaftslehre eine Erklärung für jene Zerstörung, die plötzlich von den USA aus Europa und den Rest der Welt erfasste.

Was war da geschehen? Die orthodoxe Volkswirtschaft verfügt doch über große mathematische Formeln, mit denen sich Ärger aufspüren und Risiken eliminieren lassen. Wie konnte sie auf so spektakuläre Weise danebenliegen?

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass so viele orthodoxe Ökonomen die finanzielle Katastrophe nicht nahen sahen. An allererster Stelle zu nennen ist, dass seit Langem ein sehr lukrativer Markt existierte für falsche Visionen eines Finanzmarktverhaltens, das die Wünsche der Marktteilnehmer (frei von Auflagen zu sein und mehr Geld zu verdienen) legitimiert. Vor allem hier hat der Berufsstand der Volkswirte bei seiner Aufgabe versagt, der Gesellschaft zu dienen. Der Oscar-prämierte Dokumentarfilm "Inside Job" hat das sehr deutlich gezeigt.

Robert Johnson leitet die Denkfabrik Institute for New Economic ...   Robert Johnson leitet die Denkfabrik Institute for New Economic Thinking

Aber die traditionelle Denkschule der Volkswirtschaft steht auch vor anderen Problemen. So scheitern all die eleganten Modelle regelmäßig in Zeiten der Krise. Und das kommt nicht überraschend. Hinter vorgehaltener Hand bestätigen viele Ökonomen, dass diese Probleme seit Ewigkeiten bekannt sind. Aber dem Fachgebiet als Ganzem ist es bislang nicht gelungen, das in den Griff zu bekommen.

Auf der Volkswirtschaftslehre lastet nun die Bürde, sich diesen Herausforderungen zu stellen und dazu beizutragen, die Gesellschaft in ein neues Zeitalter zu führen. Die Ökonomie muss der Welt bei der Lösung hartnäckiger Probleme von Ungleichheit bis hin zur Instabilität helfen. Darüber hinaus muss sie den Menschen aber auch helfen, ihren Glauben wiederzufinden.

Erstens sollten die Ökonomen ihr Wissen nicht übertreiben. Der US-Philosoph John Dewey meinte 1929, die Suche nach Gewissheit sei eine gefährliche Versuchung. In angsterfüllten Zeiten wie diesen können Experten mit Lösungsvorschlägen für die Ungewissheit große Gunst erlangen. Stellen sich die Methoden später als Bauernfängerei heraus, ist der Heldenruf dieser Fachleute dahin, aber dann ist der Schaden auch bereits angerichtet.

Teil 2: Unterschied zwischen Risiken und "unbekannten Unbekannten"

  • FTD.de, 17.03.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 31.03.2012 15:43:32 Uhr   Victor Venema: Unsicherheitsbereich

    Wenn VWL eine Wissenschaft werden möchte, sollten sie anfangen zu ihre "Vorhersagen" Unsicherheitsbereiche zu liefern. Wenn das nicht geht, sollten sie aufhören Vorhersagen zu machen und erst die Grundlagen besser studieren.

  • 19.03.2012 14:46:37 Uhr   Holger: Mächtige mathematische Modelle
  • 19.03.2012 11:46:04 Uhr   Valdivaldi: Wo liegt der Fehler?
  • 19.03.2012 05:56:26 Uhr   Gloeckl Rainer: Volkswirte müssen endlich dazulernen
  • 18.03.2012 12:54:43 Uhr   Pedro Rosso : Nicht die Volkswirte, sondern die Journaliste...
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