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21.12.2011, 07:00
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Rauchen und Gesundheit:
Philip Morris und die (Un-)Logik der Toxikologie
Wissenschaftler untersuchten ursprünglich geheime Dokumente der Tabakindustrie, die im Zuge von Haftungsklagen öffentlich zugänglich gemacht werden mussten. Die neue Studie löste einen handfesten Streit aus.
von Isabell Scheuplein
Menthol, Feuchthaltemittel und Konservierungsstoffe: In Zigaretten ist weit mehr enthalten als nur Tabak. Je nach Sorte werden zahlreiche Zusatzstoffe beigemengt, um die Produkte haltbar zu machen und den Geschmack zu verändern. Die Schädlichkeit dieser Zusätze ist zwischen Industrie und Tabakgegnern umstritten. Wissenschaftler werfen dem Konzern Philip Morris nun vor, in der Diskussion gezielt negative Forschungsergebnisse heruntergespielt zu haben.
Schädliche Inhaltsstoffe in Zigaretten stehen auf dem Prüfstand
Wissenschaftler haben in der Fachzeitschrift "PLoS Medicine" eine Studie veröffentlicht, für die sie ursprünglich geheime Dokumente der Tabakindustrie untersucht haben, die im Zuge von Haftungsklagen öffentlich zugänglich gemacht werden mussten. Sie überprüften auf diese Weise Forschungsergebnisse von Philip Morris zur Wirkung von insgesamt 333 Zigaretten-Zusatzstoffen.
Ihr Ergebnis: Die Schlussfolgerung der Publikationen, die von dem Tabakkonzern in Auftrag gegeben wurden, sei nicht haltbar. In ihr heißt es, dass die Zusatzstoffe "nicht wesentlich zur Toxizität" von Zigaretten beitrügen. Tatsächlich aber hätten die Tests "zahlreiche negative biologische Konsequenzen" belegt.
Bei der konzernnahen Studie seien wissenschaftliche Standards umgangen worden, sagt der Mediziner Thomas Kyriss - er ist einer der Autoren der Überprüfungsarbeit. So sei etwa die Zahl der Versuchstiere zu gering angesetzt worden. Auch von "nachträglichen Veränderungen in den Analyseprotokollen" berichtet der Lungenchirurg gemeinsam mit seinen US-Kollegen. Ebenso sei die statistische Aufarbeitung zu kritisieren.
Schockbilder für US-Zigarettenschachteln
Galerie des rauchenden Grauens
Kyriss wirft Philip Morris in dem Zusammenhang Manipulation und bewusste Täuschung vor - ein Vorgehen der Tabakindustrie, das in der Fachwelt seit Längerem bekannt, nun aber erstmals in Bezug auf Zusatzstoffe nachgewiesen worden sei. Der Konzern habe die schädliche Wirkung der umstrittenen Zusatzstoffe heruntergespielt, "um Politik und Öffentlichkeit insbesondere in den USA zu beeinflussen", sagt der Mediziner.
Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Zusätze sehr giftig und gesundheitsschädlich seien. Demnach erhöhen sie den Gehalt des Zigarettenrauchs an krebserregenden Chemikalien wie Arsen, Cadmium, Blei und Formaldehyd je nach Substanz um mindestens ein Fünftel - oft weit höher.
Seite 2: Streit um die Auslegung der Studie
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dpa, 21.12.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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