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16.12.2010, 06:00
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Schanghais Erfolg bei Pisa-Studie:
Schuldrill raubt Chinas Kindern Kreativität
Die Schüler der Volksrepublik sind Weltmeister in Prüfungen und beeindrucken mit einem tollen Abschneiden in der Pisa-Studie. Doch hinter dem Erfolg verbirgt sich ein Problem: Sie können zwar gut auswendig lernen, doch Neugierde und Fantasie verkümmern.
von Andreas Landwehr
Die Schüler in Schanghai stehen in der neuen Pisa-Studie auf dem Spitzenplatz. Zum ersten Mal wurden die Schüler in der ostchinesischen Hafenmetropole mitgetestet - und ihre herausragenden Ergebnisse in Mathematik, Naturwissenschaften sowie beim Lesen und Verstehen von Texten lassen Lehrer und Politiker in Deutschland und anderswo vor Neid staunen.
Der Erfolg hat aber einen hohen Preis: Der harte Schulalltag raubt Chinas Schülern nicht nur die Kindheit, sondern auch den Einfallsreichtum. So zeigt das gute Abschneiden der Kinder in Schanghai nebenbei auch, wie wenig die Pisa-Studie manchmal über die Qualität eines Bildungssystems aussagt.
Xiao Fang ist so ein typisches Schanghaier Schulkind. Die Achtjährige geht in die dritte Klasse. "Von morgens bis abends nur Schule", sagt ihre Großmutter. "Der Druck ist riesig. Kein bisschen Zeit zum Spielen." Ihr normaler Schultag mit Unterricht und Hausaufgaben dauert meist bis 21 Uhr abends. Dann geht sie ins Bett. Am Wochenende lernt die Achtjährige noch Englisch. Ihre Eltern sind gebildet, haben ein hohes Einkommen. Damit ihre Tochter eines Tages eine ähnlich gute Arbeit bekommt, muss sie heute viel lernen.
Ohne gute Testergebnisse kommt Xiao Fang nicht in eine gute Mittelschule. Ohne eine hohe Punktzahl in der Prüfung der fünften Klasse bleiben ihr bessere Oberschulen verschlossen. Zuletzt entscheidet der "Gaokao", die Aufnahmeprüfung, ob sie auf eine gute Hochschule kommt, die wiederum ihre Chancen am Arbeitsmarkt bestimmt. Die Eltern sorgen deswegen heute schon dafür, dass die Achtjährige büffelt wie verrückt. Nirgendwo lernen Kinder so intensiv vor Prüfungen wie in China - nirgendwo können sie besser auswendig lernen. Kein Wunder also, dass sie bei der Pisa-Studie gut abschneiden.
Teil 2: System-Kritik von chinesischen Pädagogen
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dpa, 16.12.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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