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05.03.2011, 10:00
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Schummeln 2.0:
Googeln statt Grübeln
Smartphones und Suchmaschinen erleichtern das Schummeln in der Schule. Manche Schüler googeln sogar im Unterricht mit dem Handy nach Lösungen. Und viele Plagiate werden laut einer Expertin selbst von professioneller Software nicht erkannt.
von Daniela Leistikow
Die Hand des Schülers wandert unter den Tisch. Außer Sichtweite des Lehrers kramt er nicht nach einem Spickzettel oder seinen Notizen, sondern nach einem Smartphone. Blitzschnell fliegen seine Finger über die virtuelle Tastatur. Dann hebt er die Hand, um die Frage des Pädagogen zu beantworten.
Ein Kind benutzt in einem Klassenraum hinter einem Buch versteckt ein Smartphone
"Es ist mir tatsächlich schon passiert, dass ein Schüler im Unterricht die Antwort auf meine Frage mit dem iPhone ergoogelt hat - und dessen Lösung war besser als meine", sagt ein grauhaariger Lehrer von der Ida Ehre Gesamtschule in Hamburg und lächelt. Den Einsatz des Smartphones fand er, zumindest bei den ersten beiden Malen, noch amüsant. Für Plagiate hat der Hamburger Pauker jedoch kein Verständnis. Er benutzt daheim eine Software, um die Arbeiten seiner älteren Schützlinge zu überprüfen.
Nicht nur Aufsätze und Klausuren werden mit unerlaubten Hilfsmitteln erstellt. Auch Hausaufgaben werden mittlerweile nicht nur von Schülern einer Klasse untereinander abgeschrieben, sondern aus Online-Datenbanken heruntergeladen. Internetseiten wie Hausaufgaben.de und Schoolscout.de verlocken zum Copy-Pasten: "Deine Hausaufgabe gibt's doch schon" wird da behauptet - und gefragt "Warum also selbst abmühen?"
Weil Recherche schon lange nicht mehr in Büchern und Bibliotheken sondern am Rechner stattfindet, werden Kinder und Jugendliche zwangsläufig mit solchen Angeboten konfrontiert. Online kann leichter für Hausarbeit und Referat recherchiert werden - aber auch Schummeln wird dadurch einfacher. Die Anonymität im Internet senkt die Hemmschwelle. Und die Angst, dass die als eigene Denkleistung eingereichte Arbeit als Kopie erkannt wird.
Viele Lehrkräfte an Universitäten und Schulen verlassen sich deswegen auf Software, die Plagiate sicher erkennen soll, wie etwa den Marktführer "turnitin.com" oder die deutsche Software "Plagiarismfinder". Ein Test der Berliner Plagiatsexpertin Debora Weber-Wulff zeigt jedoch, dass selbst die beste Software nur maximal 60 Prozent der kopierten Textstellen entlarven kann. "Wenn das Programm keine plagiierten Stellen findet, heißt das noch lange nicht, dass es kein Plagiat ist", sagt Weber-Wulff, Professorin an der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft.
Weber-Wulff hat 26 unterschiedliche Programme getestet, von denen die Anbieter behaupten, dass sie kopierte Passagen aufspüren können. Ihr überraschendes Urteil: "Keines dieser Programme taugt wirklich etwas bei der Erkennung von Plagiaten. Sehr viel effektiver ist es, wenn selbst Suchworte aus den Arbeiten der Schüler und Studenten bei Google eingegeben werden."
Durch die Copygate-Affäre um Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) können Hersteller von Software zur Enttarnung von Plagiaten ihr Produkt zusätzlich bewerben. Der Anbieter von "Plagiarimsfinder" hat dem Freiherrn nach einem Bericht des "Westfalen-Blatt" ein Exemplar zugeschickt, damit er seine Doktorarbeit selbst auf Abschriften prüfen kann. Zumindest die Testerergebnisse von Weber-Wulff wecken Zweifel am praktischen Sinn dieser PR-Aktion.
Teil 2: Plagiate werden verharmlost
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FTD.de, 05.03.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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