Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte - auf wen diese Diagnose zutrifft, der ist ein prädestinierter Kandidat dafür, einmal Diabetes Typ 2 zu entwickeln. Das Deutsche Diabetes-Zentrum schätzt, dass 2030 allein in der Altersgruppe der 55 bis 74-Jährigen rund 3,9 Millionen Personen an Typ 2 Diabetes erkrankt sein werden. Dass Übergewicht, neben genetischer Veranlagung, der entscheidende Auslöser der verbreiteten Zuckerkrankheit ist, ist schon lange bekannt: Etwa 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker bringen zu viele Kilos auf die Waage.
Eine Studie aus China lenkt jetzt das Interesse zusätzlich in eine andere Richtung - den Darm. Denn offenbar beeinflussen auch bestimmte Darmbakterien die Entstehung des umgangssprachlich als Altersdiabetes geläufigen Typ-2-Diabetes. Chinesische Forscher des Beijing Genomics Institute hatten die Zusammensetzung der Darmflora von 345 Diabetespatienten sowie gesunden Vergleichspersonen untersucht und dabei festgestellt, dass im Darm von Patienten mit Typ 2 Diabetes die natürliche Mikrobenzusammensetzung aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler auf der Website der renommierten Fachzeitschrift "Nature".
Darin identifizieren sie mehrere Mikrobenarten und Stoffwechselabläufe, die sie eindeutig entweder Diabetespatienten oder gesunden Menschen zuordnen konnten. Diese charakteristischen genetischen Merkmale könnten zukünftig dazu verwendet werden das individuelle Diabetes-Risiko einzelner Personen zu bestimmen. Mit einem genauen Blick in den Darm könnten Mediziner dann beurteilen, ob ein Patient Diabetes Typ 2 entwickelt hat oder potentiell gefährdet ist, so die Forscher.
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Neue Erkenntnisse zur Diabetesgenetik seien aber vor allem wichtig, um die Stoffwechselprozesse der Erkrankung genauer zu verstehen, meint Peter Schwarz vom Uniklinikum Dresden. Denn noch wisse man zu wenig über die Genetik von Diabetes mellitus. Vor zwölf Jahren entdeckte Schwarz das erste Diabetesgen mit und sagt: "Eigentlich wissen wir heute weniger als damals. Für die Masse der Patienten ist momentan die Risikovorhersage allein über genetische Faktoren noch sehr schlecht. Denn nur weil jemand eine Anfälligkeit vererbt bekommt, wird er noch lange nicht zwangsläufig krank."
Um ein individuelles Risiko zu prognostizieren werden deshalb in der Regel Fragebögen eingesetzt, die persönliche Risikofaktoren wie Familienanamnese, Übergewicht und Alter abfragen. Dennoch: Die Erforschung genetischer Faktoren berge enormes Potential, um vor allem die Prävention des Diabetes Typ 2 effektiv und individueller gestalten zu können, so Schwarz. Auch Michael Roden, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf, sagt, aus den Studienergebnissen lasse sich derzeit kein Rückschluss auf das individuelle Risiko eines Menschen für Typ 2 Diabetes ableiten. Allerdings hätten auch andere Studien Veränderungen der Darmbakterienflora bei Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko wie Übergewicht gefunden: "Die Bedeutung dieser Veränderung muss aber noch weiter untersucht werden".