FTD.de » Wissen » Leben » Unis misstrauen Grün-Rot

Merken   Drucken   30.04.2011, 12:17 Schriftgröße: AAA

Studiengebühren: Unis misstrauen Grün-Rot

Nun schafft auch Baden-Württemberg die Studiengebühren ab. Das Land will den Hochschulen die Einnahmen ersetzen. Doch die Unis sind skeptisch. von Marion Schmidt  Hamburg
Am Mittwoch hat die neue grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg ein teures Wahlversprechen eingelöst: Im Koalitionsvertrag verspricht sie, Studenten ab Sommer 2012 von Studiengebühren zu befreien. Bislang zahlen sie 500 Euro im Semester. Gleichzeitig wird der Landeshaushalt mit mindestens 130 Mio. Euro belastet. So viel nehmen die Hochschulen derzeit jährlich aus Studienbeiträgen ein. Die neue Regierung hat versprochen, ihnen das fehlende Geld aus Steuermitteln zu ersetzen - doch sie sagt nicht, wie lange und in welcher Höhe.
Baden-württembergische Hochschulen befürchten nun, dass die Kompensationszahlungen nicht ausreichen oder aber mittelfristig wegfallen und dass sich dadurch die Studienbedingungen verschlechtern. Studiengebühren werden zur Verbesserung der Lehre eingesetzt, davon werden Bücher und Laptops angeschafft, Tutoren und Professoren eingestellt. Markus Voeth, Marketingprofessor an der Uni Hohenheim, geht davon aus, dass die Kompensationszahlungen nicht lange fließen werden: "Da wird zwei, drei Jahre der Deckel draufgehalten, und bei erstbester Gelegenheit wird das gestrichen." Sollte das passieren, "werden wir uns wehren", sagt Horst Hippler, Rektor des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). "Wir rechnen fest mit den Gebühren." Wenn etwa die neue Landesregierung die Summe bei 130 Mio. Euro festlege und nicht die steigende Zahl von Studenten in den kommenden Jahren berücksichtige, "dann werden wir die Zahl der Studienanfänger reduzieren müssen", so Hippler, der auch Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz ist. "Das wird ein Problem geben."
Studienbeiträge in Deutschland   Studienbeiträge in Deutschland
Grundlos sind die Befürchtungen nicht. Schon einmal, vor zwei Jahren, hat es die baden-württembergischen Hochschulen kalt erwischt. Damals beschloss die Landesregierung, dass Studenten, die mindestens zwei Geschwister haben, keine Studiengebühren mehr zahlen müssen. Plötzlich brachen den Hochschulen rund 50 Mio. Euro weg. Die damals noch oppositionelle SPD tönte daraufhin, man müsse den Unis das Geld ersetzen. "Wir sind gespannt, ob sie sich jetzt noch an dieses Versprechen erinnern", sagt Hippler.
Wie schnell sich die Politik von Versprechungen verabschiedet, zeigt auch der Fall Hessen. Dort hatten SPD und Grüne zusammen mit der Linken 2008 Studiengebühren gekippt und die Ausfälle aus dem Landeshaushalt ausgeglichen. Eben diese Summe wurde den Hochschulen des Landes ein Jahr später aus dem Wissenschaftsetat gekürzt.
Auch in Hamburg hat Katrin Vernau, Kanzlerin der Uni Hamburg, gesehen, wie wenig sich Hochschulen auf die Politik verlassen können. "Die Erfahrungen sind bislang eher ernüchternd." In der Hansestadt wurden 2007 Studiengebühren eingeführt, 500 Euro im Semester. Danach wurden jedes Jahr die Regelungen geändert, verbunden "mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand", so Vernau. Erst wurden die Gebühren auf 375 Euro reduziert, Studenten sollten zudem erst nach ihrem Abschluss zahlen müssen. Die damalige schwarz-grüne Koalition versprach, die Verluste zu kompensieren.

Weiter zu Seite 2

  • FTD.de, 30.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  impulse startet Projekt impulse Wissen
impulse startet Projekt impulse Wissen

Wie sorgt man dafür, dass ein Unternehmen innovativ bleibt? Wie viel Bauchgefühl ist bei der Auswahl von neuen Mitarbeitern erlaubt? Antworten auf solche Fragen bietet künftig das neue Wissenskompendium impulse Wissen. mehr

  Bilderserie Dragon-Kapsel von Space X Kleiner "Drache" bringt Milliarde heim
Meistgelesen
 



LEBEN

mehr Leben

NATUR

mehr Natur

TECHNIK

mehr Technik

QUIZ

mehr Quiz

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote