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Merken   Drucken   15.04.2011, 12:00 Schriftgröße: AAA

Vergabe von Studienplätzen: Neues Zulassungssystem vorerst gekippt

Das neue System zur Studienplatzvergabe wurde abermals verschoben. Schuld an dem Fehlstart soll Hochschuldienstleister HIS sein. Das Unternehmen verweist auf den knappen Zeitplan. von Marion Schmidt  Hamburg
Es sollte alles besser werden, schneller, einfacher. Für Studenten, die sich in zulassungsbeschränkten Fächern statt bei vielen einzelnen Hochschulen nur noch über eine Onlineplattform für einen Studienplatz bewerben müssen. Für Hochschulen, die durch einen digitalen Abgleich Überbuchungen und Mehrfachbelegungen vermeiden können. Ein technisch hochkomplexes dialogorientiertes System. Offenbar zu komplex.
Als die neue, von der Telekom-Tochter T-Systems entwickelte Software Ende vergangenen Jahres an einigen Hochschulen getestet wurde, war die Euphorie über das neue Hochschulzulassungssystem schnell verflogen. Das Programm läuft nicht stabil mit bestehenden Programmen der Unis zusammen. Lehramtsstudiengänge lassen sich damit gar nicht buchen, auch nicht zwei Bachelorstudiengänge gleichzeitig. Im Testbetrieb, heißt es, seien teilweise Onlinebewerbungen einfach verschwunden. "Unbrauchbar" sei das System, urteilt Ursula Nelles, Rektorin der Uni Münster.
Ein modernes System
Am Dienstag dieser Woche hat dann auch die Stiftung für Hochschulzulassung, die das neue System zur Studienplatzvergabe betreut, die Notbremse gezogen. Der Start der Onlineplattform Hochschulstart.de wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Das System, von dem Entwickler schwärmen, es sei das modernste Hochschulzulassungsverfahren in Europa, ist vorerst gescheitert.
Das ist umso dramatischer, als dass in diesem Wintersemester so viele junge Menschen an die Unis drängen werden wie noch nie. Durch doppelte Abiturjahrgänge in zwei Bundesländern und die ausgesetzte Wehrpflicht könnte es bis zu 500.000 Studienanfänger geben. Die werden sich wieder bei mehreren Hochschulen bewerben müssen, dadurch wird es wieder überbuchte Fächer, Mehrfachbelegungen und am Ende Tausende unbesetzte Studienplätze geben. Im vergangenen Wintersemester blieben 18.000 Studienplätze frei, weil die Belegung nicht geklappt hatte.
Wer ist der Schuldige?
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), die den Anschub des neuen Systems mit 15 Mio. Euro aus ihrem Etat finanziert hat, ist sauer und hat auch schon die Schuldigen für das technologische Desaster ausfindig gemacht: "Ich bedauere es sehr, dass es der Stiftung und der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) nicht gelungen ist, die notwendigen Voraussetzungen für die Umstellung zum Wintersemester zu schaffen."
Noch deutlicher wird der Berliner Wissenschaftsstaatssekretär Knut Nevermann. "Es ist hochnotpeinlich", schimpft er, "dass dieses Projekt trotz eines Aufwands von 15 Mio. Euro nicht frist- und fachgerecht betriebsklar gemacht werden konnte. Das muss Konsequenzen haben." So solle insbesondere die Rolle von HIS "kritisch beleuchtet" werden, so Nevermann. Das sei ja nicht "irgendeine Softwarefirma".
T-Systems ist startklar
HIS ist eine von Bund und Ländern gemeinsam getragene Dienstleistungsgesellschaft für Hochschulen. Die Firma ist in Deutschland Marktführer bei Campusmanagementsoftware, 250 Hochschulen arbeiten mit HIS-Produkten, der Jahresumsatz lag 2009 bei 22 Mio. Euro. Beim neuen Verfahren zur Studienplatzvergabe ist HIS für die Anbindung der T-Systems-Software an bestehende HIS-Programme zuständig. Genau an dieser Stelle hakt es. Ältere HIS-Versionen sind nicht kompatibel mit der neuen komplexen Software. "HIS kriegt es nicht hin, die Schnittstellen der eigenen Software an die neue anzupassen", heißt es etwa an der Uni Münster. Hochschulen wie die Uni Paderborn, die das System vorab getestet hat, hatten hingegen kaum Probleme, weil sie mit der Campusmanagementsoftware der Hamburger Firma Datenlotsen arbeitet. Auch Unis, die mit der neuesten HIS in One arbeiten, kommen mit der T-Systems Software klar.
"Unsere Software ist trotz des knappen Zeitplans fertig und einsatzbereit. Wir können liefern", sagt Sprecherin Nicole Schmidt. 70 Techniker haben zeitweise an dem Projekt gearbeitet. "Meine Kollegen haben unter Hochdruck Gas gegeben - auch an den Wochenenden wurde an dem System gearbeitet." Die Probleme liegen an den Schnittstellen. "Die Probleme mit den unterschiedlichen Systemen hätte man im Vorfeld sicher schon erkennen können", sagt Schmidt.

Teil 2: Warum das System nicht pünktlich starten kann

  • Aus der FTD vom 15.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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