Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat zu einem effizienteren Einsatz der Finanzen im Kampf gegen Aids aufgerufen. "Ich glaube, dass Regierungen auf der ganzen Welt auch in diesen schwierigen Zeiten mehr für die Bekämpfung von HIV ausgeben werden, wenn wir die Auswirkungen des Geldes maximieren", sagte Clinton bei der Abschlussveranstaltung der Welt-Aids-Konferenz in Washington. "Wenn wir weiterhin gute Resultate erreichen, wird das Geld da sein."
Voraussetzungen seien ein transparenterer Umgang mit der Finanzierung, Investitionen, die nicht auf Basis von politischem Willen, sondern von wissenschaftlichen Beweisen entschieden wurden, und mehr Verantwortung für nationale Regierungen und lokale Hilfsorganisationen. "Manche internationale Berater verdienen bis zu 600 Dollar am Tag - davon könnte man drei Menschen je ein Jahr lang mit Medikamenten versorgen." Clinton, der bereits zum vierten Mal bei einer Aids-Konferenz sprach, setzt sich mit einer von ihm gegründeten Stiftung seit Jahren unter anderem im Kampf gegen HIV ein.
Die 19. weltgrößte Aids-Konferenz sei ein "enormer Erfolg gewesen", sagte die Fraktionschefin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. "Wir verlassen sie mit einem gesteigerten Optimismus in Hinblick auf die Fortschritte der Wissenschaft." Die internationalen Ausgaben im Kampf gegen HIV dürften allerdings nicht gesenkt werden. "Wenn wir unsere Investitionen herunterfahren, ist das eine falsche Rechnung, die am Ende mehr kosten wird - mehr Geld und viele Leben."
Hilfsorganisationen zeigten sich weniger zufrieden mit den Ergebnissen der Konferenz. Das Treffen habe noch keine großen Durchbrüche erzielt, sagte Carsten Schatz, Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Hilfe. Er forderte außerdem mehr deutsche Forschungsanstrengungen zur Heilung von HIV. "Wenn Deutschland bei der Finanzierung der Forschung so zurückhaltend bleibt wie bisher, laufen wir Gefahr, abgehängt zu werden."
Zum Abschluss der Konferenz wandte sich auch die neue Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS), Françoise Barré-Sinoussi, erstmals in neuer Funktion an die rund 25.000 Teilnehmer. Die französische Nobelpreisträgerin hatte auf der Konferenz, die von der IAS organisiert wird, das Amt von Vorgänger Elly Katabira übernommen. Sie wolle in ihrer zweijährigen Amtszeit besonderes Augenmerk auf die Probleme von Frauen mit HIV legen, sagte Barré-Sinoussi.
Die 20. Welt-Aids-Konferenz soll im Juli 2014 im australischen Melbourne stattfinden.