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  24.11.2009, 13:07    

Staatliche Studienunterstützung: Ein Bonbon namens Bafög

Kommentar Die geplante Erhöhung der Studienförderung geht am Problem vorbei. Besser wäre es, das Geld in die Reform des Bachelorsystems zu stecken, um die Lehrbedingungen zu verbessern. von Marion Schmidt 
Eltern kleiner Kinder kennen das Problem: Will der Nachwuchs etwas unbedingt haben, gibt es oft einen Wutanfall und großes Geschrei. Verzweifelte Väter und Mütter greifen dann gern zu Süßigkeiten, um die Kleinen ruhigzustellen. Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) hat zwar keine Kinder, kennt aber offenbar diesen Erziehungstrick: Sie verteilt jetzt Bonbons an die seit Wochen streikenden und protestierenden Studenten. Das Bonbon heißt Bafög. Schavan hat angekündigt, die staatliche Studienunterstützung für bedürftige Studenten auszuweiten.
Mehr Geld für Studenten - das kommt immer gut an   Mehr Geld für Studenten - das kommt immer gut an
Das ist löblich. Mehr Geld für Studenten - das kommt immer gut an. Auch auf der Sitzung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am Dienstag in Leipzig wird sie für ihren Vorschlag viel Beifall bekommen. Doch letztlich ist das, was die Ministerin will, nicht viel mehr als ein Leckerli, mit dem sie den Protest der Studenten beilegen will. Weil ihr nichts anderes einfällt, weil sie bundespolitisch keine anderen Möglichkeiten hat und weil sie Ruhe haben will.
Struktur statt Einzelförderung
Doch den Studenten wird das nicht reichen, denn mit einer ausgeweiteten finanziellen Unterstützung ändert sich noch nichts an den Studienbedingungen. Durch ein höheres Bafög gibt es keinen einzigen prüfenden Professor mehr und kein einziges Seminar im übervollen Lehrplan weniger.
Wer den Studenten etwas Gutes tun will, der sollte nicht in die Einzelförderung investieren, sondern die Strukturen verbessern.
Bisher ist noch nicht einmal klar, um wie viel das Bafög überhaupt erhöht werden soll. Klar ist nur: Die Fördersätze und die Elternfreibeträge sollen steigen, zudem soll die Altersgrenze von 30 Jahren fallen. Notwendig wäre auch ein Wegfall der unsinnigen Regelung, wonach nur konsekutive Masterstudiengänge gefördert werden. Das läuft der Bologna-Reform zuwider und zwingt Studenten, einen Master in einem Fach zu machen, das auf ihrem Bachelorabschluss aufbaut.
Unabhängig davon, ob die Länder Schavans Vorschlag unterstützen und mit 35 Prozent gegenfinanzieren werden - das Ziel einer jeden Bafög-Erhöhung ist es, nicht nur den bereits geförderten Studenten mehr Geld zu geben. Übergeordnetes Ziel ist es, mehr junge Leute aus bildungsfernen Schichten zu einem Studium zu ermutigen.
Und so sieht die Realität aus: Im Wintersemester 2008/09 wurden rund 350.000 Studenten mit Bafög gefördert. Die Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen; das Gleiche gilt aber für die Gesamtzahl der Studierenden, sodass der Anteil der Geförderten relativ konstant ist und jetzt bei 21,3 Prozent liegt. Den Maximalbetrag von 648 Euro erhalten 38 Prozent aller geförderten Studenten; im Durchschnitt werden 375 Euro monatlich überwiesen. Derzeit liegt die Bemessungsgrundlage bei einem Nettojahreseinkommen der Eltern von rund 34.020 Euro. Für den Höchstsatz dürfen Eltern nicht mehr als etwa 18.660 Euro im Jahr verdienen. Im Jahr 2008 gaben Bund und Länder 1,546 Mrd. Euro für Fördermittel aus.

Teil 2: Kürzer, straffer, praktischer

  • Aus der FTD vom 24.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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