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Merken   Drucken   10.05.2012, 20:00 Schriftgröße: AAA

Astronomie: Die Sonne fliegt langsamer durchs All

Forscher der Nasa haben herausgefunden, dass sich unsere Sonne langsamer durchs Weltall bewegt. Die Erkenntnis stellt Jahrzehnte der Forschung auf den Kopf.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Planetary Resources
Forscher der Nasa haben herausgefunden, dass sich unsere Sonne langsamer durchs Weltall bewegt. Die Erkenntnis stellt Jahrzehnte der Forschung auf den Kopf.

Die Sonne fliegt langsamer durch das Gas der Milchstraße als gedacht. Das zeigen Messungen der Raumsonde "Interstellar Boundary Explorer" (IBEX) der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Unser gesamtes Sonnensystem bewege sich rund 11.000 Kilometer pro Stunde langsamer durch das sogenannte interstellare Medium als angenommen, berichtet ein internationales Forscherteam um David McComas vom Southwest Research Institute in San Antonio (Texas) im US-Fachjournal "Science".

Unser Sonnensystem liegt eingebettet in die sogenannte Heliosphäre. Diese blasenförmige Struktur im dünnen Gas der Milchstraße wird von einem steten Teilchenstrom von der Sonne, dem sogenannten Sonnenwind, sowie vom solaren Magnetfeld geformt. In der Heliosphäre reist das gesamte Sonnensystem durch das interstellare Gas. Seit Jahrzehnten gehen Astronomen davon aus, dass die Heliosphäre dabei eine Schockfront in diesem interstellaren Medium vor sich herschiebt, ähnlich wie ein Überschallflugzeug in der Luft.

Jahrzehnte der Forschung müssen überarbeitet werden

Mit einer Geschwindigkeit von rund 83.000 Kilometern pro Stunde sei unser Sonnensystem jedoch zu langsam, um eine derartige Schockfront aufzubauen, argumentieren die Wissenschaftler. "Während es Schockfronten mit Sicherheit bei vielen anderen Sternen gibt, stellen wir fest, dass die Wechselwirkung unserer Sonne mit dem interstellaren Medium nicht die nötige Schwelle zur Bildung einer Schockfront erreicht", sagt McComas in einer Mitteilung seines Instituts. "Das Phänomen vor unserer Heliosphäre ist eher eine Welle - ähnlich wie ein Boot eine Bugwelle vor sich herschiebt."

Die Bedeutung der fehlenden Schockfront sei noch nicht klar, erläuterte McComas. "Jahrzehnte der Forschung wurden Szenarien betrachtet, die eine Schockfront einschließen. Diese Forschung muss nun mit den neuesten Daten überarbeitet werden." Konsequenzen ergäben sich etwa für die Art und Weise, wie energiereiche Atomteilchen aus dem Kosmos, die sogenannte Kosmische Strahlung, in die Heliosphäre eindringen und sich in ihr bewegen können. Dieses Wissen sei für die bemannte Raumfahrt von Bedeutung.

  • dpa, 10.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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