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Merken   Drucken   21.10.2010, 20:00 Schriftgröße: AAA

Astronomie: Gewaltiges Wasserreservoir auf dem Mond

Nach der Bombardierung des Trabanten haben die Wissenschaftler ihre Messwerte analysiert – mit überraschendem Ergebnis: Allein am Südpol soll sich etwa soviel Wasser wie im Bodensee befinden. Sie stießen auch auf Silber.
Der Mond birgt gewaltige Wasservorkommen. In den polnahen Kratern des Erdtrabanten, der einst als staubtrocken galt, lagern große Mengen Eis, wie mehrere Forscherteams im Magazin "Science" berichten. Die Wassermenge allein am Südpol entspricht Schätzungen zufolge etwa der des Bodensees. Zudem beinhalten die finsteren Krater ein Sammelsurium weiterer Elemente, darunter Schwefel, Magnesium, Kalzium oder Quecksilber.
Die Entdeckung könnte die Planung bemannter Raumstationen beeinflussen. Ohne eine schützende Atmosphäre unterliegt der Mond extremen Temperaturschwankungen, die je nach Sonnenstand zwischen130 und minus 150 Grad Celsius pendeln. Besonders eisig ist es in den polnahen Kratern, in die niemals Sonnenlicht gelangt.
Mit Temperaturen bis etwa minus 240 Grad Celsius zählen sie zu den kältesten Orten des Sonnensystems. Wegen dieser ewigen Kälte vermuteten Forscher dort Reste von Wasser. Um die These zu prüfen, ließ die US-Weltraumbehörde Nasa vor einem Jahr eine Raketenstufe in einen Krater am Südpol des Trabanten einschlagen. Der Aufprall riss ein 30 Meter breites Loch, erhitzte den Grund auf fast 700 Grad und beförderte eine gewaltige Rauchsäule aus der Dunkelheit ans Sonnenlicht.
Wasser potenziell für Mondstation interessant Die dabei aufgezeichneten Daten werteten US-Wissenschaftler aus - mit überraschendem Resultat. Demnach wirbelte der Einschlag etwa fünf Tonnen Material auf, darunter 155 Kilo Wasser. Knapp sechs Prozent der Kraterfüllung bestehe aus Eis, kalkulieren die Forscher. Damit könnten die Trichter am Südpol insgesamt ähnlich viel Wasser enthalten wie der Bodensee, schätzt Ralf Jaumann vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt.
Die Nasa-Sonde LCROSS, die das Wasservorkommen auf dem Mond ...   Die Nasa-Sonde LCROSS, die das Wasservorkommen auf dem Mond ermittelt hat
Diese reichhaltigen Reservoire wären zwar für bemannte Mondstationen hochinteressant, sagt der Planetenforscher. Doch ansonsten herrschen dort denkbar ungünstige Bedingungen für solche Pläne, denn der Südpol des Erdtrabanten ist eine extrem unzugängliche Hochgebirgsregion. In der Partikelwolke wiesen die US-Forscher neben Wasser noch Dutzende andere Elemente und Verbindungen nach - darunter Kohlenmonoxid, Ammoniak, Kalzium, Magnesium oder Silber. Die entdeckten Mengen sind jedoch zu klein, als dass sich ein Abbau würde jemals lohnen können.
Die meisten Stoffe stammen von Kometen, Asteroiden und Meteoriten, die im Lauf von 4,5 Milliarden Jahren auf dem Himmelskörper einschlugen. Jene Moleküle, die dabei in den Krater gelangten, wurden in dieser Kältefalle konserviert. "Dieser Ort sieht aus wie eine Fundgrube von Elementen und Verbindungen, die auf den Mond gekommen sind", sagt Peter Schultz von der Brown-Universität in Providence im US-Bundesstaat Rhode Island.
Letztlich offenbaren die Analysen vor allem, wie spärlich das Wissen über den Erdbegleiter noch ist. "Dass es dort solche Mengen Wasser gibt, hätte noch vor fünf Jahren niemand für möglich gehalten", sagt Jaumann. "Welche Wundertüte der Mond für die Menschheit noch bereithält, liegt derzeit außerhalb unserer Vorstellungskraft."
  • dapd, 21.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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