FTD.de » Wissen » Natur » Venus sorgt für Minisonnenfinsternis
Merken   Drucken   16.05.2012, 15:29 Schriftgröße: AAA

Astronomie: Venus sorgt für Minisonnenfinsternis

Es ist ein einmaliges Erlebnis: Im Juni schiebt sich die Venus vor die Sonne und beschert uns eine Minisonnenfinsternis. Das Weltraumspektakel wiederholt sich in frühestens 105 Jahren.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Stephan Jansen
Es ist ein einmaliges Erlebnis: Im Juni schiebt sich die Venus vor die Sonne und beschert uns eine Minisonnenfinsternis. Das Weltraumspektakel wiederholt sich in frühestens 105 Jahren.

Unser Nachbarplanet Venus kreuzt Anfang Juni die Laufbahn der Sonne und sorgt für eine sehr seltene Minisonnenfinsternis: Zum Sonnenaufgang am 6. Juni zieht die Venus vor der Sonnenscheibe vorbei - ein kosmisches Schauspiel, für das wohl kaum jemand eine zweite Beobachtungschance bekommt. Denn ein solcher sogenannter Venus-Transit findet erst im Jahr 2117 wieder statt. Nicht nur Hobbyastronomen, auch Profiforscher sollten das seltene Ereignis sorgfältig beobachten, schreibt Jay Pasachoff von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in einem Kommentar im britischen Fachjournal "Nature". Denn die Daten könnten auch bei der Suche nach Planeten anderer Sterne helfen.

Venus ist die innere Nachbarin der Erde, der zweite Planet von der Sonne aus gesehen. Zu einem Transit kommt es, wenn sie die Erde, den dritten Planeten, auf der Innenbahn überholt und sich dabei genau zwischen uns und die Sonne schiebt. Zwar überrundet Venus die Erde regelmäßig. Da jedoch die Umlaufbahnen beider Planeten leicht gegeneinander gekippt sind, zieht die Venus am irdischen Himmel fast immer nördlich oder südlich an der Sonnenscheibe vorbei. Nur wenn das Überholmanöver zufällig gerade am Kreuzungspunkt beider Bahnebenen stattfindet, schiebt sich die Venus vor die Sonne.

Männer in Kuwait betrachten eine partielle Sonnenfinsternis   Männer in Kuwait betrachten eine partielle Sonnenfinsternis

Wer von dem seltenen Schauspiel nichts weiß, bekommt es gar nicht mit: Nur wer zur richtigen Zeit und vor allem mit einem geeigneten Augenschutz zur Sonne schaut, kann den Nachbarplaneten als kleines dunkles Scheibchen vor der gleißenden Sonne erkennen, schreibt der Stuttgarter Astronomieprofessor Hans-Ulrich Keller in seinem Sternhimmelratgeber "Das Kosmos Himmelsjahr". Keller warnt Beobachter davor, ohne speziellen Augenschutz in die Sonne zu schauen. Durch das gleißende Licht drohten schwere Augenschäden bis zur Erblindung. Das gelte insbesondere für den ungeschützten Blick durch Feldstecher oder Teleskop.

Jahrhundertelang ist die Venus unbemerkt von irdischen Beobachtern vor der Sonne vorbeigezogen. Der Transit des Jahres 1631 wurde als erster korrekt vorhergesagt, blieb aber wetterbedingt weitgehend unbeobachtbar. Seitdem gab es nur sechs weitere Gelegenheiten, das Schauspiel zu sehen. In den Jahren 1761 und 1769 seien hunderte Expeditionen ausgerüstet worden, um das Ereignis zu verfolgen. Denn aus den Beobachtungszeiten von verschiedenen Punkten auf der Erdoberfläche lässt sich die Entfernung der Venus und der Sonne bestimmen.

Heute sind die Entfernungen im Sonnensystem durch andere Methoden sehr viel genauer vermessen. Dennoch ist der Venus-Transit laut Pasachoff mehr als ein Himmelsspektakel für die interessierte Allgemeinheit. Die Beobachtung könne der modernen Forschung nützen, denn solche Planetentransits sind eine der Methoden, mit denen Astronomen heute nach fernen Planeten anderer Sterne suchen.

Forscher hoffen auf neue Erkenntnisse

Spezialsatelliten spähen nach der ganz leichten Abdunklung von Sternen, die durch einen Transit entsteht. Mit dem Venusdurchgang vor der Sonnenscheibe biete sich die einmalige Chance, einen solchen Transit aus der Nähe zu betrachten. Das sei vor allem nützlich, da unsere Sonne zurzeit eine besonders aktive Phase mit vielen Sonnenflecken durchlaufe. So lasse sich überprüfen, wie Sonnenflecken von vorbeiziehenden Planeten unterschieden werden können, schreibt Pasachoff.

Wer den Venus-Transit selbst beobachten möchte, muss früh aufstehen, denn Europa ist in keiner günstigen Position für das diesjährige Schauspiel. Wenn die Sonne bei uns kurz nach 5.00 Uhr morgens über den Horizont steigt, ist der größte Teil der rund 6,5 Stunden langen Minifinsternis bereits vorüber. Nur etwa die letzten anderthalb Stunden lassen sich bei uns noch beobachten.

Bei klarem Himmel ist dann zu sehen, wie sich die Venus wieder von der Sonnenscheibe löst. Dabei wird auch ein seltsames Phänomen zu sehen sein, das Generationen von Astronomen Kopfzerbrechen bereitet hat: Nähert sich die Venus-Scheibe dem Sonnenrand, bildet sie eine Tropfenform, als wolle sie zum Rand hin ausfließen. Ursache für diesen schwarzen Tropfen sei zum einen die beschränkte Detailschärfe aller Teleskope, schreibt Pasachoff. Zum anderen die Tatsache, dass die Sonne zum Rand hin extrem rasch dunkler werde.

Zuletzt war die Venus 2004 vor der Sonnenscheibe vorbeigezogen, der Transit war von ganz Mitteleuropa aus gut zu verfolgen. Wegen der Bahngeometrie folgt auf einen ersten Venustransit meist nach acht Jahren ein zweiter, daher wiederholt sich das Schauspiel in diesem Jahr. Danach dauert es jedoch stets 105,5 oder sogar 121,5 Jahre, bis sich die Stellung am Himmel wiederholt.

  • dpa, 16.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
 
impulse startet Projekt impulse Wissen

Wie sorgt man dafür, dass ein Unternehmen innovativ bleibt? Wie viel Bauchgefühl ist bei der Auswahl von neuen Mitarbeitern erlaubt? Antworten auf solche Fragen bietet künftig das neue Wissenskompendium impulse Wissen. mehr

 



LEBEN

mehr Leben

NATUR

mehr Natur

TECHNIK

mehr Technik

QUIZ

mehr Quiz

© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler