Der heftig umstrittene genetisch veränderte Zuchtlachs Aquadvantage wird in den USA voraussichtlich nicht als Lebensmittel zugelassen. Am Mittwochabend verabschiedete das US-Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf, der der Lebensmittelbehörde FDA Geld für die Zulassung versagt. Der Entwurf muss noch den Senat passieren.
Die Blockade hat Signalwirkung für sämtliche Firmen, die an gentechnisch veränderten Tieren für die Nahrungsproduktion forschen. Der von Kritikern als "Frankenfisch" bezeichnete Lachs wäre das weltweit erste sogenannte transgene tierische Lebensmittel gewesen. Seine Gegner setzten sich mit ihren Vorbehalten durch, obwohl die FDA ihn im vergangenen Herbst für sicher erklärt hatte: Er wird in geschlossenen Tanks an Land gezüchtet, und sollte er entkommen, kann sich der sterile Fisch nicht mit Wildlachsen fortpflanzen. Unternehmen, die deutlich schwieriger abzuschottende Rinder und Schweine gentechnisch verändern, drohen so hohe Hürden für den Markteintritt.
Zahlreiche Konzerne versuchen, Tieren durch Genübertragung bestimmte Eigenschaften an- oder abzuzüchten. Schneller wachsende, nährstoffreichere Tiere, die sich besser etwa an Hitze oder Kälte anpassen, gelten Befürwortern als große Chance im Kampf gegen Nahrungsknappheit. Welches wirtschaftliche Potenzial Gentechnik hat, zeigen die Umsätze mit modifizierten Pflanzen: 2009 hatten die Ernten von Mais, Sojabohnen und Baumwolle mit verändertem Erbgut nach Angaben der industrienahen Organisation ISAAA einen Wert von 150 Mrd. Dollar.
Dem Aquadvantage-Fisch wurden Gene eines anderen Lachses sowie des aalähnlichen Meeresdickkopfs zugefügt. Sie beschleunigen sein Wachstum rapide: Wilde Lachse erreichen nach drei Jahren ein Gewicht von 18 Kilo - der veränderte Lachs braucht nur halb so lang. Den Antrag auf Zulassung als Lebensmittel hatte die US-Firma Aquabounty bereits vor mehr als zehn Jahren bei der FDA gestellt. Die Entscheidung der Lebensmittelbehörde wurde bis Ende 2011 erwartet.