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Merken   Drucken   25.01.2012, 11:25 Schriftgröße: AAA

Geomagnetische Plasmawolke: Gewaltigster Sonnensturm seit Jahren erreicht die Erde

Die Befürchtungen waren groß: Mit 2000 Kilometern pro Sekunde rasen die Teilchen der Plasmawolke auf die Erde zu. Auf Anraten der US-Wetterbehörde wurden mehrere Flugzeuge umgeleitet. Größere Schäden blieben nach ersten Erkenntnissen aber aus.
Ein gewaltiger Sonnensturm hat am Dienstag die Erde erreicht. Die ersten geladen Teilchen der Plasmawolke hatte die US-Wetterbehörde NOAA am Nachmittag in Erdnähe registriert. Der Sonnensturm ist nach neuesten NOAA-Berechnungen der stärkste seit 2003. Zuvor war hatte sie ihn als stärksten seit 2005 bezeichnet. Er hatte nach Angaben der NOAA die Strahlenstärke S3 auf einer fünfteiligen Skala. Trotz seiner Stärke hat der Sonnensturm nach ersten Erkenntnissen nur wenige Auswirkungen gehabt. Zuvor hatte es Befürchtungen gegeben, die geladenen Teilchen könnten Flugzeugen, Astronauten und Navigationssystemen gefährlich werden.
Bei hoher Sonnenaktivität werden große Gaswolken aus den Außenschichten der Sonne ins All geschleudert. Diese sind elektrisch geladen und können das Erdmagnetfeld stören. Für Natur und Menschen auf der Erde sind sie ungefährlich, da sie nicht durch das Magnetfeld dringen. Bei der Stärke des aktuellen Sturms können jedoch Passagiere und Crews von sehr hoch fliegenden Flugzeugen einem erhöhten Strahlenrisiko ausgesetzt sein. Insbesondere in Polnähe sind Navigationssysteme von Flugzeugen gefährdet. Flugzeuge und Raumschiffe sollten daher die Polarregionen am Dienstag meiden, hatte die NOAA geraten.
Die US-Fluggesellschaft Delta Airlines hatte sechs ursprünglich am Nordpol vorbeiführende Flüge umgeleitet, berichtet der amerikanische Sender "Fox News" auf seiner Internetseite. Andere US-Fluggesellschaften wie American Airlines gaben an, nicht von den Stürmen betroffen zu sein. Auch die US-Wetterbehörde NOAA vermeldete bis zum Abend (Ortszeit) keine Schäden.
Die Teilchen der aktuellen Wolke hätten zusammen in etwa die Masse eines großen Berges in deutschen Mittelgebirgen, sagte Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau (Niedersachsen). Eine Wolke dieser Größe benötige mehrere Stunden, bis sie komplett eingetroffen sei, daher seien etwaige Schäden zunächst nicht exakt zu bestimmen.
Die Strahlungsbelastung, die während eines starken Sonnensturms bei Flügen über den Polen maximal auftreten könne, entspreche etwa einer Röntgenuntersuchung, hatte der Sonnenphysiker Volker Bothmer von der Universität Göttingen kürzlich mitgeteilt. Das sei für die Passagiere zwar kein Problem, sehr wohl aber für das Flugpersonal - weil es der Belastung häufiger ausgesetzt ist. Größere Gefahr besteht auch für Astronauten, die sich außerhalb eines Raumschiffs befinden. Es kann zudem zu Störungen von Instrumenten in Flugzeugen und Satelliten kommen.
Polarlichter bis an die Ostseeküste Curth rechnete mit Polarlichtern in der Nacht zum Mittwoch, die beispielsweise von der Ostseeküste aus zu sehen seien. Sie entstehen, wenn elektrisch aufgeladene Teilchen von der Sonne in die Erdatmosphäre eindringen. Das kann wegen des gebogenen Erdmagnetfeldes normalerweise nur in der Nähe der Pole geschehen.
Die Plasmawolke hatte sich am Montag von der Sonne gelöst. Sie hatte nach NOAA-Angaben eine Anfangsgeschwindigkeit von mehr als 2000 Kilometern pro Sekunde - das sind über 7,2 Millionen Kilometer pro Stunde.
Die Sonnenaktivität schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren. Der vergangene Sonnenzyklus erreichte im Jahr 2001 sein Maximum. Das darauf folgende Aktivitätsminimum war besonders ausgeprägt. Seit 2010 nimmt die Sonnenaktivität wieder zu.
Der Sonnensturm sollte nach Angaben des Internetdienstes "Spaceweather" am Mittwoch den Planeten Mars erreichen. Er wäre damit eine Art Sonnengruß für den Marsrover "Opportunity", der dann exakt acht Jahre lang auf dem Roten Planeten im Einsatz ist.
  • dpa, 25.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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