Die Teilchen der aktuellen Wolke hätten zusammen in etwa die Masse eines großen Berges in deutschen Mittelgebirgen, sagte Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau (Niedersachsen). Eine Wolke dieser Größe benötige mehrere Stunden, bis sie komplett eingetroffen sei, daher seien etwaige Schäden zunächst nicht exakt zu bestimmen.
Die Strahlungsbelastung, die während eines starken Sonnensturms bei Flügen über den Polen maximal auftreten könne, entspreche etwa einer Röntgenuntersuchung, hatte der Sonnenphysiker Volker Bothmer von der Universität Göttingen kürzlich mitgeteilt. Das sei für die Passagiere zwar kein Problem, sehr wohl aber für das Flugpersonal - weil es der Belastung häufiger ausgesetzt ist. Größere Gefahr besteht auch für Astronauten, die sich außerhalb eines Raumschiffs befinden. Es kann zudem zu Störungen von Instrumenten in Flugzeugen und Satelliten kommen.
Polarlichter bis an die Ostseeküste
Curth rechnete mit Polarlichtern in der Nacht zum Mittwoch, die beispielsweise von der Ostseeküste aus zu sehen seien. Sie entstehen, wenn elektrisch aufgeladene Teilchen von der Sonne in die Erdatmosphäre eindringen. Das kann wegen des gebogenen Erdmagnetfeldes normalerweise nur in der Nähe der Pole geschehen.
Die Plasmawolke hatte sich am Montag von der Sonne gelöst. Sie hatte nach NOAA-Angaben eine Anfangsgeschwindigkeit von mehr als 2000 Kilometern pro Sekunde - das sind über 7,2 Millionen Kilometer pro Stunde.
Die Sonnenaktivität schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren. Der vergangene Sonnenzyklus erreichte im Jahr 2001 sein Maximum. Das darauf folgende Aktivitätsminimum war besonders ausgeprägt. Seit 2010 nimmt die Sonnenaktivität wieder zu.
Der Sonnensturm sollte nach Angaben des Internetdienstes "Spaceweather" am Mittwoch den Planeten Mars erreichen. Er wäre damit eine Art Sonnengruß für den Marsrover "Opportunity", der dann exakt acht Jahre lang auf dem Roten Planeten im Einsatz ist.