Sie liebt das Sonnenbad am Morgen und macht daraus keinen Hehl: "Dieser Sonnenstrahl kitzelt meine Blätter - ich fühl' mich gut", schwärmt die stämmige Eiche Kim in einer Twitternachricht an ihre Fans.
Wer sich jetzt in Tolkiens fantastische Romanwelt versetzt fühlt und Kim für eine der baumähnlichen Fantasiefiguren aus "Herr der Ringe" hält, der hat noch keinen Blick in den Botanischen Garten in Erlangen geworfen. Dort hat Kim seit 150 Jahren ihren Platz - mit ihrer artfremden Mitteilungsfreude sorgt sie allerdings erst seit ein paar Wochen für Aufsehen im Netz.
Ihre menschliche Sprache verdankt die Eiche Wissenschaftlern der Universität Erlangen und der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft". Die Forscher horchen mit mehreren Messgeräten in den Baum hinein und zeichnen neben dem aktuellen Wetter auch den Saftfluss im Baum auf.
Auch das Wachstum messen die Forscher. Über eine Blackbox werden diese Daten gesammelt und direkt ins Internet gestellt. Der Online- Redaktionsleiter von "Spektrum der Wissenschaft", Daniel Lingenhöhl, setzt die Daten regelmäßig in kurze Botschaften um. Diese gehen dann im Namen des Baumes an seine Fangemeinde. Vorbild für das Projekt ist eine twitternde Buche in Belgien.
"Was für ein Tag! It's Fotosynthese time!", freute sich die Eiche zum Beispiel vor ein paar Tagen. Später kommentierte sie die Photosynthese, den Wachstumsprozess mit Hilfe des Sonnenlichts: "Die Säfte fließen durch meine Adern - ich leiste Schwerstarbeit".
Ein anderes Mal heißt es mit Blick auf optimale Wachstumsbedingungen: "Traumwetter, Freunde - ich verrichte dann mal mein Tagwerk". Ein paar Tage später zeigt Kim erste Herbstgefühle: "Die Temperaturen fallen - und meine Blätter bald auch".
Teil 2: "Den belgischen Baum wollen wir noch übertrumpfen"