Alles eine Frage der Kultur - auch bei den Schimpansen. Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts haben jetzt entdeckt, dass es auch bei Schimpansen kulturelle Unterschiede zwischen Nachbarn gibt. Die Affengruppen nutzen verschiedene Werkzeuge, um Nüsse zu knacken. Die Wissenschaftler haben im Taï-Nationalpark an der westafrikanischen Elfenbeinküste drei benachbarte Schimpansen-Gruppen beobachtet. Die Studie ist im Fachmagazin "Current Biology" veröffentlicht.
Das Team um Lydia Luncz hatte vor allem interessiert, ob die Schimpansengruppen unterschiedliches kulturelles Verhalten zeigen, obwohl sie unter ähnlichen Umweltbedingungen leben und genetisch kaum verschieden sind.
Anfang der 60er Jahre begann die berühmte Forscherin Jane Goodall ihre Beobachtungen von Schimpansen in Tansania. Sie entdeckte, dass Schimpansen Fleisch fressen, Werkzeuge herstellen und differenzierte Sprachen haben. Für die Analyse lebte Goodall selbst mehrere Jahre zusammen mit den Schimpansen. Die Forschung über Menschenaffen schreitet seither fort.
"Beim Menschen sind kulturelle Unterschiede ein essenzieller Teil dessen, was benachbarte, in sehr ähnlichen Umweltbedingungen lebende Gruppen unterscheidet", schreibt Luncz in einer Mitteilung zur Studie. Eine sehr ähnliche Situation sei nun bei den Schimpansen des Taï-Nationalparks gefunden worden.
Analysiert wurde von den Forschern, welche Werkzeuge die 45 Schimpansen der drei Gruppen zum Nüsseknacken bevorzugten. Die Tiere knacken Nüsse des Baums Coula edulis mit Stein- oder Holzhämmern und verwenden Baumwurzeln als Ambosse. Je nach Härtegrad der Nüsse, der im Laufe der Saison abnimmt, wechseln sie die Werkzeuge - und verwenden je nach Gruppe unterschiedliche Hämmer. Zwei Gruppen gingen während der "Erntezeit" von Stein- zu Holzhämmern über, verwendeten aber jeweils unterschiedliche Größen. Die dritte Gruppe benutzte durchgängig große Steinhämmer.
Die Verfügbarkeit von Stein- und Holzhämmern war in den Territorien der drei Gruppen gleich, ebenso die Beschaffenheit der Nüsse. "Unsere Studie zeigt, dass es feine kulturelle Unterschiede zwischen benachbarten Schimpansengruppen gibt, die sich denselben Lebensraum teilen", sagte Lydia Luncz. Ähnlich wie die Menschen könnten auch Schimpansen kulturelles Wissen abrufen, um Herausforderungen zu lösen und dies an folgende Generationen weitergeben.
"Ich werde im Dezember wieder an die Elfenbeinküste fahren, um weitere Fragen zum Werkzeuggebrauch und zur Kultur bei Schimpansen zu beantworten", sagte Luncz. Dann solle es darum gehen, welche der drei Gruppen den effizientesten Weg gefunden hat, Nüsse zu knacken. "Auch wollen wir uns mit sozialem Lernen beschäftigen und die Frage beantworten, ab welchem Alter Jungtiere, die das Knacken lernen, mit der Gruppe konform sind."