Irgendwo auf halbem Weg zwischen der Westküste der USA und Japan treibt der "Große Pazifische Müllteppich" herum. Er hat einen Durchmesser von mehreren hundert Kilometern und gibt den Forschern Rätsel auf.
Bekannt ist, dass durch die beständigen Strömungen im Uhrzeigersinn mitten im offenen Meer hauptsächlich Kunststoffteilchen zusammengetragen wurden. Vermutet wird, dass der meiste Müll in der Nähe von Hawaii unter der Meeresoberfläche treibt, wo er nicht von Flugzeugen oder Satelliten geortet werden kann.
Doch bislang weiß niemand, wie viel Abfall von dem Meeresphänomen genau aufgesogen wurde und welche Folgen das für das Leben im Meer hat. Um dies herauszufinden, ist ein Team von Wissenschaftler der University of California am Sonntag mit dem 52 Meter langen Forschungsschiff "New Horizon" zu einer dreiwöchigen Expedition in den Nordpazifik aufgebrochen.
Die Experten machen sich vor allem Sorgen um die kleinsten Lebewesen im Pazifik, die am Ende der Nahrungskette stehen, also kleine Fische, Plankton und andere Mikroorganismen.
Problem Nummer 1: Wo ist der Müllteppich gerade?
Gefährdet sind zum Beispiel Tiere, die die umherschwimmenden Plastikteile verschlucken oder sich darin verfangen und dadurch verenden könnten. Prekär dabei ist, dass mit dem Müll womöglich extrem schädliche Stoffe weit entfernte Meeresregionen erreichen, etwa Pestizide. Über den Umweg der Nahrungskette ist nicht auszuschließen, dass diese letztendlich wieder auf den Tellern der Menschen landen.
Unklar ist auch, ob und welche Gifte beim langsamen Abbau des Mülls entstehen und wie sich das auf die Umwelt auswirkt. Denkbar ist außerdem, dass kleinste Organismen zusammen mit dem Müll quer durch den Pazifik in Gebiete getragen werden, in denen sie sonst nicht vorkommen. Dort könnten sie als Fremdkörper das sensible Gleichgewicht auf den Kopf stellen.
Um diesen Fragen auf die Spur zu kommen, wollen die Wissenschaftler Proben nehmen. Ein Problem für die etwa 30-köpfige Besatzung der "New Horizon" könnte aber sein, den erstmals von Fischern vor ein paar Jahren bemerkten Wirbel überhaupt aufzuspüren. Nicht nur ist ein Großteil des Müllteppichs unter Wasser, er verharrt auch nicht an der selben Stelle. Je nach Saison pendelt der Strudel bis zu 1600 Kilometer mal nach Norden, mal nach Süden. Der Unrat, den er dabei mit sich trägt - und gelegentlich verliert - könnte dadurch noch viel weiter verbreitet werden - mit all den gefährlichen Folgen für die Umwelt.