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Merken   Drucken   16.04.2012, 22:00 Schriftgröße: AAA

Meeresbiologie: Meereswurm frisst ohne Maul

Was für den Menschen hochgiftig ist, schmeckt einem Wurm im Mittelmeer besonders gut: Olavius algarvensis futtert Kohlenmonoxid und Schwefelwasserstoff - dabei hat er nicht mal eine Öffnung zur Nahrungsaufnahme.
© Bild: 2012 DPA-Bildfunk/ MPI
Was für den Menschen hochgiftig ist, schmeckt einem Wurm im Mittelmeer besonders gut: Olavius algarvensis futtert Kohlenmonoxid und Schwefelwasserstoff - dabei hat er nicht mal eine Öffnung zur Nahrungsaufnahme.

Von giftigen Gasen ernährt sich ein kleiner Meereswurm vor der Küste Elbas in Italien. Olavius algarvensis nehme Kohlenmonoxid und Schwefelwasserstoff zu sich, berichten Wissenschaftler aus Bremen und Greifswald in den "Proceedings" der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Bei der Nahrungsaufnahme lasse der Wurm Bakterien für sich arbeiten, die unter seiner Haut leben. Sie nutzten die Energie aus den Gasen, um Kohlenhydrate zu produzieren.

"Sie sind dabei so effektiv, dass der Wurm im Laufe der Evolution seinen kompletten Verdauungsapparat inklusive Mund und Darm aufgegeben hat und sich nur über die Symbionten ernährt", sagte Professor Nicole Dubilier vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen. Kohlenmonoxid ist geruchlos, Schwefelwasserstoff riecht übel - hochgiftig sind beide für den Menschen. Auch aus Wasserstoff und organischen Nährstoffen in der Umgebung können die Bakterien des Wurms laut den "Proceedings" Energie gewinnen.

Und es gebe noch eine Nahrungsquelle für den Winzling, schreiben die Forscher vom Max-Planck-Institut und der Universität Greifswald zusammen mit Kollegen aus Freiburg, Italien und den USA: Dank der Bakterien könne er seine eigenen Stoffwechselprodukte nutzen. "Der Wurm kann deshalb nicht nur auf seinen Verdauungsapparat, sondern auch auf seine Ausscheidungsorgane verzichten", sagte Dubilier. Das sei bisher von keinem einzigen Meerestier bekannt.

Die Expertin beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit dem ungewöhnlichen Wurm. Dass seine Bakterien energiereiche Schwefelverbindungen nutzen können, war schon länger bekannt. In der aktuellen Studie konnten die Wissenschaftler weitere Stoffwechselwege entschlüsseln.

  • dpa, 16.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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