Mehr als 100 Millionen Inder sind einer Nasa-Studie zufolge erheblich stärker vom Wassermangel bedroht als bislang vermutet. Der Grundwasserspiegel im Norden des Landes ging demnach zwischen August 2002 und Oktober 2008 um jährlich vier Zentimeter zurück. Er fiel damit um etwa 20 Prozent stärker als bisherige Schätzungen der indischen Behörden annahmen.
Wenn dagegen nicht bald etwas unternommen werde, drohten schwerwiegende Konsequenzen für die Landwirtschaft oder auch die Trinkwasserversorgung. Dies wiederum könne erhebliche soziale und wirtschaftliche Probleme nach sich ziehen, warnten die Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde. Betroffen sei eine Region, die die Hauptstadt Neu-Delhi einschließt und in der insgesamt mehr als 110 Millionen Menschen leben, also etwa zehn Prozent der indischen Bevölkerung.
Im untersuchten Zeitraum waren Regenmengen normal
Die Nasa-Experten präsentierten ihre Studie zu einer Zeit, in der ohnehin etwa ein Viertel Indiens eine Dürre befürchten muss, weil der Monsun dieses Jahr viel schwächer als sonst ausfällt. Ein wichtiger Wirtschaftszweig hat dies bereits zu spüren bekommen: Die Zuckerrohrernte brach ein und die Preise für Zucker kletterten diese Woche auf den höchsten Stand seit 28 Jahren.
Bemerkenswert ist, dass die Wissenschaftler einen längeren Zeitraum untersuchten, in den auch Monsunzeiten mit normalen Regenmengen fielen. Der Grund für den Rückgang des Grundwasserspiegels dürfte deshalb weniger in der derzeitigen Trockenheit als im verschwenderischen Wasserverbrauch der vergangenen Jahren liegen, der sich besonders in der exzessiven Bewässerung von Feldern zeigt.