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Merken   Drucken   24.08.2012, 15:56 Schriftgröße: AAA

Paläontologie: Forscher finden neue Flugsaurierart

Anfang August erst schlossen Experten mithilfe eines Fischsaurier-Skeletts eine Evolutionslücke. In Oberfranken fanden Paläontologen jetzt ein Fossil, das ein Bindeglied zwischen den Flugsauriern aus dem Jura und den späteren Riesenflugsauriern sein könnte.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Naturkunde-Museum Bamberg
Anfang August erst schlossen Experten mithilfe eines Fischsaurier-Skeletts eine Evolutionslücke. In Oberfranken fanden Paläontologen jetzt ein Fossil, das ein Bindeglied zwischen den Flugsauriern aus dem Jura und den späteren Riesenflugsauriern sein könnte.
von Sabine Dobel, dpa

Ein vollständig erhaltenes Flugsaurierskelett einer neuen Art ist im oberfränkischen Wattendorf entdeckt worden. Das bislang einzigartige Fossil stamme aus der späten Jura-Zeit vor rund 155 Millionen Jahren, sagte der Leiter des Bamberger Naturkundemuseums Matthias Mäuser.

Auch andere Experten schätzen das Fossil als sehr bedeutsam ein. "Es ist ein sensationeller Fund", sagte der Flugsaurierexperte und Biologe Eberhard Frey vom Naturkundemuseum Karlsruhe. "Er ist von seiner Vollständigkeit und vom Typ her einmalig - ein extrem seltenes und wunderschönes Stück."

Der Flugsaurier, der noch nicht wissenschaftlich beschrieben ist und somit keinen Namen hat, war vor einem Jahr gefunden und in den vergangenen Monaten aufwendig präpariert worden. "Er hatte sehr lange Arme und sehr lange Beine, fast wie Stelzen. Das hat ihm einen Vorteil gebracht beim Waten im Wasser", sagte Mäuser, der seit acht Jahren Grabungen in der Region leitet. "Er hat in seichten Gezeitentümpeln mit seinen schnabelartig verlängerten Kiefern und dem Reusengebiss Kleinlebewesen aus dem Wasser gefiltert."

Der Saurier ernährte sich von kleinen Fischen, Krebsen und anderen Lebewesen. Die letzte Mahlzeit ist mit dem Tier versteinert: "Er hat Fischrestchen im Bauch - das ist auch eine Seltenheit." Der neue Flugsaurier wird von Samstag an in der Sonderausstellung "Frankenland am Jurastrand" im Naturkundemuseum Bamberg zu sehen sein.

Bindeglied zum Riesenflugsaurier

Die Forscher gehen davon aus, dass es sich mindestens um eine neue Art und Gattung handelt. "Dieses Stück ist insofern bedeutsam, als es vom Körperbau her etwas völlig Neues ist", sagte der Paläontologe und Flugsaurierforscher Helmut Tischlinger. Er hat das Fossil unter UV-Licht untersucht und dokumentiert. Es sei "gigantisch gut erhalten", zudem sei es der älteste Flugsaurier aus den süddeutschen Oberjura-Plattenkalken. "Es ist ein sensationelles Stück in jeder Beziehung und bedeutsam auch für die Flugssaurierforschung weltweit."

Frey sieht in dem Skelett ein mögliches Bindeglied zwischen den bisher bekannten Flugsauriern aus dem Jura und den späteren Riesenflugsauriern - den größten Flugtieren aller Zeiten mit mehr als zehn Metern Flügelspannweite. "Vom Rumpf her ähnelt er einem anderen Flugsaurier aus den Solnhofener Plattenkalken, der aber ohne Kopf gefunden wurde", so Frey. "Mit seinen langen Hinterbeinen und dem im Verhältnis zum Arm recht kurzen Flugfinger hatte der neue Flieger eine Flügelkonfiguration, wie sie später bei Riesenflugsauriern aus der Kreidezeit auftauchen. Das Bamberger Stück belegt, dass diese Riesenflugsaurier ihren Ursprung in der Jurazeit hatten."

Forscher werden nun mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung beginnen. "Der Fund ist von vergleichbarem Interesse wie ein Archaeopteryx", sagte Mäuser. Die Flugechse hatte über 400 lange borstenähnliche Zähne, die in zwei Reihen angeordnet waren. "Die langen Zähne sind nicht spitz, sondern wie kleine Keulen verdickt", sagte Mäuser. Sie dienten nicht zum Kauen oder Festhalten von Beute, sondern wie Barten der Wale oder Lamellen im Schnabel von Flamingos zum Filtern des Wassers nach Beute.

Flugsaurier besaßen keine Federn, sondern eine Art Borsten. Zudem verfügten sie über eine kompliziert gebaute, mehrschichtige Flughaut. Partien davon sind bei dem neuen Exemplar in langwelligem UV-Licht erkennbar. Die Flügel, die rund 1,20 Meter Spannweite hatten, sind bei dem Fossil zusammengefaltet und über dem Rumpf verschränkt.

Fossilschatz in Oberfranken

Die Wattendorfer Plattenkalke waren im Jahr 2000 als Fossilienfundstelle entdeckt worden. 2004 begannen die Grabungen, die in den vergangenen zwei Jahren von der EU gefördert worden sind.

"Dort liegt ein unglaublicher Fossilschatz", sagte Mäuser. "Wir haben bisher rund 5000 Fossilien geborgen - Schnecken, Muscheln, Seeigel, urtümliche Fische, Haie, Quastenflosser, Schlangensaurier, Schildkröten und Krokodilreste." Die Schichten des Steinbruchs und die eingeschlossenen Lebewesen seien erdgeschichtlich etwa 100.000 bis 500.000 Jahre älter als die südbayerischen Plattenkalke von Solnhofen und Eichstätt. Deshalb handele es sich bei den Wattendorfer Fossilien oft um bisher unbekannte Arten.

  • dpa, 24.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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