21.01.2010, 19:28
Peinliche Panne: Weltklimarat stolpert in Gletscherspalte
Schon 2035 könnten die Gletscher im Himalaya weitgehend verschwunden sein, warnte der Weltklimarat IPCC. Doch die Uno-Experten müssen sich kleinlaut korrigieren: Ihre Informationen fußen offenbar auf Hörensagen.
von Christiane von Hardenberg
und Christian Schütte Berlin
Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) muss düstere Prognosen über das Abschmelzen der Himalaja-Gletscher voraussichtlich zurücknehmen. Die Aussage im jüngsten IPCC-Report, bis 2035 würden diese Gletscher nahezu verschwinden, beruht nach neuen Äußerungen der Beteiligten offenbar nur auf Hörensagen.
Der Vorfall ist eine peinliche Schlappe für den Weltklimarat, dessen regelmäßige Berichte den Stand der Forschung zusammenfassen sollen, die bislang als unangefochtene wissenschaftliche Grundlage für die Politik gelten. Der jüngste IPCC-Bericht erschien 2007. Gemeinsam mit Al Gore erhielt der Rat damals sogar den Friedensnobelpreis.
NASA-Foto von einem Gletscher im Himalaya
Scharfe Kritik an der Klimaforschung war bereits vor Wochen laut geworden, nachdem interne Dokumente und E-Mails eines führenden britischen Instituts an die Öffentlichkeit gelangt waren. Die "Klimagate"-Unterlagen deuten darauf hin, dass ein kleiner Kreis von Forschern die Klimadebatte manipuliert hat.
Im seinem Bericht schreibt der Klimarat 2007 über die Himalaja-Gletscher: "Die gesamte Fläche wird vermutlich von derzeit 500.000 auf 100.000 Quadratkilometer abschmelzen." Dadurch sei die Wasserversorgung von rund 750 Millionen Menschen gefährdet.
Mehrere Glaziologen sowie die indische Regierung zweifelten bald an der Schreckensprognose. Indiens Umweltminister Jairam Ramesh gab eine Studie in Auftrag, die zu dem Ergebnis kam, dass keine übermäßige Abschmelzung zu beobachten sei. "Es gibt keinen überzeugenden wissenschaftlichen Beweis für einen Zusammenhang zwischen der globalen Erderwärmung und den Himalaja-Gletschern", so Ramesh im November. IPCC-Chef Rajendra Pachauri tat die Studie als "Voodoo-Wissenschaft" ab. Nun muss sich Pachauri diesen Vorwurf selbst anhören.
Teil 2: Wie eine Behauptung in einen Bericht gelangt
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Aus der FTD vom 22.01.2010
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