Nach fünf tödlichen Haiangriffen innerhalb eines Jahres wollen australische Behörden nun Weiße Haie jagen und töten. Wie die Regierung im Bundesstaat Western Australia am Donnerstag mitteilte, sei dort jeder Hai, der eine Bedrohung für Schwimmer darstelle, zur Tötung freigegeben. Haie, die in der Nähe von Stränden entdeckt werden, sollen notgeschlachtet werden, um Badegäste zu schützen, sagte der Ministerpräsident Colin Barnett. Hai-Experten kritisierten die Ankündigung scharf.
In den vergangenen dreißig Jahren standen die bedrohten Räuber in Australien unter Schutz. Nur bestimmte Haie, die vermutlich Schwimmer angegriffen hatten, durften getötet werden. Im Durchschnitt ereignete sich ein Hai-Angriff im Jahr. Noch vor wenigen Wochen hatten die Behörden versichert, der Bedrohung mit Hilfe von Absperrungen Herr zu werden. Hai-Fachmann Chris Neff von der Universität Sydney verurteilte das Notschlachtungsprogramm als "Hollywood-Reaktion". Man könne Haie nicht kontrollieren, betonte Neff: "Es gibt keine kurzfristige Lösung gegen Haiangriffe. Alle Haie zu töten, ist keine praktikable Option."
Die Zahl der Weißen Haie vor der Westküste Australiens habe zwar plötzlich stark zugenommen, doch es gebe keine wissenschaftlichen Beweise, dass Jagd auf Haie zu weniger Angriffen führen werde, meinte Neff. "Wir sind ihnen im Weg, und nicht auf ihrer Speisekarte." Die Angriffe seinen tragisch, würden aber auch wieder abnehmen, erklärte der Hai-Experte.
Unterdessen verabschiedeten Regierungsdelegierte aus mehr als 50 Ländern am Freitag in Bonn eine Übereinkunft zum besseren Schutz stark bedrohter Haie. Der Plan, der im Rahmen eines Uno-Abkommens entstand, bezieht sich auf sieben Arten: den Weißen Hai, den Riesenhai und den Walhai als besonders gefährdete Arten, daneben noch auf den Dornhai, Heringshai sowie den Lang- und Kurzflossenmako.
Das Papier sieht vor, Beobachtungen der Bestände zu verstärken, um einen gezielten Schutz zu ermöglichen. Regionale Umweltinitiativen sollen gestärkt und Vertreter der Fischindustrie einbezogen werden. Die Regierungen werden aufgerufen, enger zu kooperieren, um Überfischungen und anderen Bedrohungen zu begegnen. Auch dem noch oft praktizierten Abschneiden von Flossen auf hoher See soll begegnet werden.