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Merken   Drucken   17.02.2011, 18:04 Schriftgröße: AAA

Unzureichende Klimaschutzziele: Erderwärmung taut Dauerfrostböden auf

Eine Studie stellt geplante Emissionssenkungen infrage. Durch steigenden Temperaturen werden weltweit große Permafrost-Regionen auftauen und Verrottungsvorgänge auslösen. Die entstehenden Treibhausgase sind beim Klimaschutz nicht beachtet.
Die globale Erwärmung wird einer neuen Studie zufolge ein bis zwei Drittel der weltweiten Dauerfrostböden bis 2200 auftauen. Dadurch müsse die Atmosphäre voraussichtlich etwa 190 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Form klimaschädlicher Treibhausgase zusätzlich verkraften, warnen Forscher des US-Schnee- und Eisdatenzentrums NSIDC an der Universität von Colorado in der am Mittwoch veröffentlichten Studie. Die gegenwärtig angestrebten Klimaschutzziele seien daher vermutlich viel zu niedrig.
Die globale Erwärmung gefährdet den Dauerfrost vieler Regionen   Die globale Erwärmung gefährdet den Dauerfrost vieler Regionen
In den Permafrost-Böden, die zum Beispiel in Kanada und Russland vorkommen, lagern seit der letzten Eiszeit große Mengen an gefrorenen Pflanzenresten. Tauen sie auf, fangen sie an zu verrotten und setzen Treibhausgase frei - insbesondere das stark klimaschädliche Methan, aber auch Kohlendioxid.
"Die Menge an freigesetztem Kohlenstoff entspricht der Hälfte des Kohlenstoffs, der seit dem Beginn des industriellen Zeitalters freigesetzt worden ist", erläuterte NSIDC-Forscher Kevin Schaefer. Das sei rund ein Fünftel der Menge, die sich heute in der Atmosphäre befinde. Diese zusätzlichen Emissionen müssten bei der Definition von Klimaschutzzielen eingerechnet werden. "Es ist sowieso schon schwierig genug, unsere Emissionen zu senken, aber nun werden wir sie noch mehr senken müssen", sagte Schaefer.
Für ihre Studie erstellten die Forscher ein Modell des Zerfalls pflanzlichen Materials unter den Klimabedingungen, die gängigen Annahmen zufolge im Jahr 2200 herrschen werden. Dabei gingen sie von einer Erwärmung der weltweiten Durchschnittstemperatur um zwei bis drei Grad Celsius aus.
Unterdessen hat die Wirtschaftskrise in den USA den Treibhausgasausstoß im Jahr 2009 auf den niedrigsten Wert seit 1995 gesenkt. Das teilte die US-Umweltbehörde EPA mit. Die Emissionen sanken demnach um sechs Prozent im Vergleich zu 2008, lagen damit aber noch um 7,4 Prozent über der Menge von 1990. Dieses Jahr wird in der Regel als Basis bei der Aufstellung von Klimaschutzzielen genommen.
  • FTD.de, 17.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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