Im niedersächsischen Wattenmeer tummeln sich so viele Seehunde wie nie zuvor seit dem Beginn der Zählungen 1958. Fast 8400 Tiere sind es in diesem Sommer, ergab eine Untersuchung des Landesamtes für -Verbraucherschutz- und Lebensmittelsicherheit. Das seien rund 1000 Seehunde mehr als im Vorjahr, teilte die Behörde am Dienstag in Oldenburg mit.
Eine ähnliche Entwicklung stellten die Experten bei den Jungtieren fest, deren Zahl sich von 1606 im vergangenen Jahr auf 1977 erhöhte. "Die Seehunde machen einen gesunden und gestärkten Eindruck und es gibt auch keinerlei Hinweise auf Erkrankungen", hieß es. Der Trend ist positiv - doch es gab auch andere Zeiten.
Vor zehn Jahren hatte es wegen eines Ausbruchs der Seehundstaupe einen schweren Einbruch der Bestände gegeben. Damals wurden 3851 tote Seehunde allein an der niedersächsischen Küste gefunden. Zuvor hatte der Bestand dort rund 6500 Tiere umfasst. Experten gehen davon aus, dass es zu neuen Ausbrüchen der Erkrankung kommen kann, auch weil die Resistenz der Tiere gegen das Virus von Jahr zu Jahr abnimmt.
Seehunde im Wattenmeer werden aus Flugzeugen gezählt. Die Experten wählen dafür einen Zeitpunkt während der Jungtieraufzucht und des Haarwechsels bei Niedrigwasser. Dann liegen besonders viele der Tiere auf den Sandbänken. Das niedersächsische Wattenmeer wird für die Erhebung von drei Kleinflugzeugen gleichzeitig abgeflogen.
Seehunde, die im Meer unterwegs sind, können nicht erfasst werden. Besonders bei stürmischen Südostwind ziehen sich die Tiere in das offene Meer zurück, sagte der Koordinator des Seehundmonitorings beim Laves, Josef Huesmann. In diesem Jahr seien die Wetterbedingungen während der Flüge aber sehr gut gewesen.
Im gesamten Wattenmeer von Dänemark bis zu den Niederlanden wurden nach Angaben des Internationalen Wattenmeersekretariats in Wilhelmshaven im August 2011 gut 24.000 Tiere gezählt, neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Schätzungen zufolge lag die tatsächliche Gesamtzahl deutlich höher bei etwa 35.000. Für dieses Jahr liegt noch keine Gesamtzahl vor.